Hannah Kohn glaubt an Sieg gegen Ungarn bei Volleyball EM in Istanbul

Bei der Volleyball-Europameisterschaft steht am heutigen Mittwoch das Vorrunden-Duell zwischen Deutschland und Ungarn an. Für das Team von Bundestrainer Giulio Bregoli ist die Partie der Gruppe A extrem wichtig – eine Niederlage könnte nämlich das frühzeitige Aus bedeuten. Gestern sprach der Journalist Patrick Kiefer mit Zuspielerin Hannah Kohn (23) vom SSC Palmberg Schwerin über ein Spiel, in dem verlieren angeblich „keine Option“ ist.

 

Hannah, die EM beschert dem Team fünf Vorrunden-Spiele in sechs Tagen. Wie sah ihr freier Montag in Istanbul aus?

Da wir am Sonntagabend noch unser Krafttraining absolvieren konnten, durften wir ausschlafen. Nach dem Frühstück haben wir uns einige Szenen des Spiels gegen Lettland genauer angesehen. Nach der Nachbereitung ging es zum Mittagessen und dann richtete sich der Blick nach vorne. Wir sahen uns die Analyse des Spiels der Ungarinnen an und fuhren anschließend in die Trainingshalle. Nach eineinhalb Stunden ging es mit dem Bus zurück ins Hotel, in dem übrigens auch die anderen Mannschaften untergebracht sind.

 

Gehört zur Vorbereitung auf das Duell gegen Ungarn auch, dass ihr gemeinsam deren Spiel gegen die Türkei verfolgt?

Nein. Die ein oder andere wird es sicherlich auf dem Tablet gucken, aber an oberster Stelle steht für uns alle das Thema Regeneration. Die Trainer werden auch dieses Spiel genau analysieren – wir müssen es uns nicht komplett anschauen.

 

Lassen Sie uns bitte über die beiden bisherigen Gruppenspiele sprechen. Zum Auftakt setzte es eine 0:3-Niederlage gegen Slowenien. Waren die Sloweninnen so überlegen, wie es das Ergebnis suggeriert?

Wir sind schlecht ins Spiel gekommen und lagen schnell 1:7 zurück. Wir waren ohnehin ziemlich nervös und dann einem Rückstand hinterherzuhinken – das macht die Sache nicht besser. Man sollte allerdings auch bedenken, dass Slowenien gerade in die Nations League aufgestiegen ist. Sie haben ein gutes Team und in den entscheidenden Momenten konnten sie ihre Stärken ausspielen.

 

Gegen Lettland lief es für euch deutlich besser. Trotzdem gab es auch beim 3:1-Sieg eine Schwächephase im deutschen Spiel…

Das sollte nicht passieren, aber so etwas kann passieren. Nach den beiden ersten, recht deutlich gewonnenen Sätzen, kam es leider zu einem Spannungsabfall. Wir konnten das Niveau nicht halten, haben uns aber dann wieder gesteigert. Wir haben im vierten Satz gut gekämpft und uns zu recht mit dem Sieg belohnt. Leichte Gegner gibt es hier nicht.

 

Im letzten Test vor der EM habt ihr ausgerechnet gegen Ungarn gespielt. Ihr konntet alle vier Sätze gewinnen. Ist das ein Vorteil?

Dieses Ergebnis sollten wir nicht überbewerten. Es ist gut zu wissen, was Ungarn kann, aber in einem Turnier ist immer alles möglich. Ich denke, Ungarn ist ein Gegner, den wir schlagen können, ja, den wir sogar schlagen müssen. Dazu müssen wir unser Ding durchziehen – genug Qualität bringen wir mit.

 

Werden Sie bitte mal konkret. Welche Waffen bringt Ungarn ein?

Die gefährlichste Spielerin ist sicher Anett Németh. Volleyball-Fans werden sie kennen, auch weil sie zwei Saisons für Potsdam in der Bundesliga gespielt hat. Gegen ihre Angriffe muss unser Block stehen – das ist aus meiner Sicht der wichtigste Aspekt.

 

Und wenn Sie auf das deutsche Team blicken – welche Stärken bringen die Schmetterlinge auf die Platte?

Wir haben sehr starke Aufschläge. Mit unseren Angaben können wir jeden Gegner ärgern. Eine andere Qualität ist sicher die Blockarbeit. An unserem Block muss man erstmal vorbeikommen. Auch unsere Annahme gehört zu unseren Stärken. Daraus können wir ein schnelles Spiel entwickeln.

 

Sarah Straube vom Dresdner SC ist aktuell die Nummer 1 als Zuspielerin. Haben Sie bei aller Rivalität ein gutes Verhältnis zueinander?

Wir haben sowohl auf als auch abseits des Spielfeldes einen guten Draht. Wir sind in einem ständigen Austausch und versuchen uns gegenseitig zu helfen. Da wir beide maximalen Erfolg haben wollen, stärken wir uns den Rücken. Klar ist aber auch: Ich wäre keine Leistungssportlerin, wenn ich nicht möglichst viel Spielzeit haben wollte. Ich arbeite an mir und hoffe, dass ich eines Tages die erste Wahl bin.

 

Darf ich zum Schluss noch etwas spekulieren? Was wäre denn, wenn es gegen Ungarn nicht so rund läuft wie erhofft?

Eine Niederlage ist keine Option. Sollte es trotzdem dazu kommen, müssten wir diesen Rückschlag so schnell wie möglich abhaken. Es kämen dann ja noch die Begegnungen gegen die Türkei und gegen Polen. Natürlich sind das sehr starke Gegner, aber in der Nations League haben wir bewiesen, dass wir auch gegen die Türkei bestehen können. Aber unter uns – soweit denken wir noch gar nicht. Auf dem Programm steht ein Sieg gegen Ungarn – nicht mehr und nicht weniger.

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