Vier Tage gemeinsame Trainingseinheiten in Schwerin – wie fällt ihr Urteil aus?

Arie Selinger: Es war eine lehrreiche Zeit für mich und meine Mannschaft. In Israel sind wir dabei, ein neues Modell für den Volleyballsport aufzubauen. Eine GmbH mit eigener Administration wurde gegründet, in der Repräsentanten des Olympischen Komitees, des Volleyballverbandes, der Regierung und private Sponsoren zusammenarbeiten. Alle zwei bis drei Wochen treffen die sich. Die Spielerinnen bekommen auch Geld. Seit dem 1. Juni läuft das so. Unser Ziel ist die Teilnahme an der Europameisterschaft im Jahre 2009. Hier in Schwerin haben wir viele verwertbare Dinge vorgefunden. Das Schweriner System ist einfach perfekt.

Zuletzt trafen Sie sich mit dem Schweriner Coach Tore Alekandersen vor drei Jahren während eines Trainingslagers in Japan. Haben Sie Entwicklungen bei den Spielerinnen des SSC feststellen können?

Arie Selinger: Die Mannschaft ist technisch, taktisch und psychisch viel besser aufgestellt. Das ist ein erfolgreicher Reifeprozess…

… bei dem der Nachwuchs aus dem eigenen Kader eine große Rolle spielt. Sehen Sie das auch so?

Arie Selinger: Zweifellos. Das ist gerade deshalb für uns so wichtig geworden, weil der internationale Volleyballverband FIVB den Einsatz ausländischer Spieler begrenzen will. Außerdem haben wir hier in Schwerin deutlich wahrnehmen können, wie die Nachwuchsgewinnung aus den eigenen Reihen die Bindung zwischen dem Sportklub und dem Umfeld gravierend verbessert.

Sie haben wissenschaftliche Studien über den Volleyball betrieben und Bücher darüber veröffentlicht. Was ist charakteristisch für den aktuellen Weltvolleyball?

Arie Selinger: In der Vergangenheit wurde viel Wert auf Technik und Ausdauer sowie auf die Kombinationen im Angriff gelegt. Jetzt rücken physische Gesichtspunkte, Einfachheit und viel Explosivität in den Spielzügen in den Vordergrund.

In Ihrem Videofilm „Volleyball der Zukunft“ stellten Sie die Annahme als wichtigstes Element im Volleyball heraus…

Arie Selinger: Die Annnahme ist im Volleyball wie ein Flaschenhals. Ohne Annahme kein Angriff, ohne Angriff kein gewonnenes Spiel.

Ihr Sohn Avital ist Nationaltrainer in Holland. Als Sie die niederländische Herren-Nationalmannschaft 1992 zu Olympia-Silber in Barcelona führten, spielte er mit. Wird er einmal Ihr Erbe in Israel antreten?

Arie Selinger: Das ist der Plan, selbstverständlich.

Welche Aufgaben stehen als nächstes vor Ihnen, wenn Sie nach Israel zurückkehren?

Arie Selinger: Jede Woche finden die Ligaspiele statt. Bei den Spielerinnen der Nationalmannschaft geht es bis zum 25 Dezember vier Stunden am Tag um ein hartes Training, denn wir wollen zur Europameisterschaft. Bis Januar warten drei Turniere auf uns, die diesen Weg ermöglichen könnten.

(Das Gespräch führte Wolfgang Schmidt, Landespressewart im Volleyballverband Mecklenburg-Vorpommern)