Tabitha, wirst du oft gefragt, ob dein Nachname wirklich echt ist?

Sogar ziemlich oft! Nicht daheim in Nordamerika, aber hier in Europa wollen alle wissen, ob ich ihn geändert habe. Aber nein, habe ich nicht, das ist tatsächlich mein Geburtsname. Ich habe ihn auch behalten, nachdem ich vor fast drei Jahren geheiratet habe, weil er für mich zu mir als Spielerin gehört, das ist meine Identität im Volleyball. Wenn ich mal aufhöre, werde ich ihn ändern.
 

Dein Mann begleitet dich auf deinen Stationen, ist auch mit nach Schwerin gekommen.

Ja, ich habe da echt Glück. Jorel arbeitet von hier aus online für eine Firma in Amerika und macht in seiner Freizeit Sportfotografie. Das funktioniert prima. Wir wollen nicht für Monate getrennt sein, wir sind einfach gern zusammen, ein gutes Team, und wir sind sehr dankbar, dass wir diese großartige Erfahrung zusammen machen können.

 

Fotos. MidiGrafie, EH Foto

Und habt ihr euch gut eingelebt?

Ja, der Verein tut alles dafür, dass ich mich wohlfühle. Wir sind hier unglaublich herzlich aufgenommen worden, das ganze Team ist sehr hilfsbereit. Auch die Stadt kennen wir schon ein bisschen, auch das Schloss. Es ist super, dass man hier alles zu Fuß machen kann und kein Auto braucht. Außer dass wir unsere Familie vermissen, ist hier wirklich alles perfekt.

 

Habt ihr schon viel von Deutschland sehen können?

Nein, leider kaum etwas, meist sind es ja nur Hotels und Sporthallen. Einmal waren wir in Berlin, zwar nur rund um den Alexanderplatz, aber das hat mir sehr gefallen. Ich hätte mir früher nie vorstellen können, was Volleyball mir alles ermöglichen würde, wie viele verschiedene Länder und Menschen ich mal kennenlerne. Das ist echt verrückt, ich weiß das sehr zu schätzen.

 

Gibt es eigentlich zwischen Volleyball in Nordamerika und in Europa große Unterschiede?

Der größte ist die unglaubliche Unterstützung der Fans, das gibt es so in Kanada nicht. Selbst wenn wir es in Kanada schaffen, mal relativ viele Leute anzuziehen, sitzen die einfach nur so da und schauen zu, das ist nicht sehr motivierend. Ich kann es deshalb immer noch nicht fassen, dass egal wo wir hinkommen, die Hallen voller Leute sind, die Volleyball lieben und die klatschen und uns anfeuern. Das finde ich ganz großartig!

 

Als Kind hast du ganz viele Sportarten ausprobiert, Schwimmen, Badminton, Basketball… Was hat den Ausschlag für Volleyball gegeben?

Ich mag sehr, dass es ein Mannschaftssport ist. Ich fand auch Basketball gut, es hat Spaß gemacht, sich da auch mal allein den Ball zu schnappen und in den Korb zu bringen. Aber Volleyball ist spannender, weil es hier keinen Alleingang geben kann und auch keinen schwachen Punkt im Team, weil der Gegner das sofort ausnutzt. Man muss lernen, miteinander zu arbeiten. Im Volleyball wird man nie allein beste Spielerin, das geht nur, weil die ganze Mannschaft einen so unterstützt.

 

Du warst jetzt ein Jahr in Puerto Rico, ein Jahr in Polen, ein Jahr in Aserbaidschan… und wirst auch nur ein Jahr in Schwerin sein?

Ich bin für alles offen! Jorel und ich malen uns schon aus, wie wir hier leben könnten, weil wir es wirklich toll hier finden. Das ist auch das erste Mal, dass ich die Sprache lernen will und gemeinsam mit Jorel und Ariel Unterricht nehme, wenigstens für die wichtigsten Worte und Wendungen. Wenn das Team mich also behalten will, können wir sehr gern darüber reden.