Der am 27. Mai gerade 21 Jahre alt gewordene Außenangreifer ist anfangs dieses Sommers erstmals mit der Nationalmannschaft unterwegs. „Als ich gehört habe, dass wir auch ein Trainingslager in Schwerin machen, habe ich mich super gefreut. So kann ich auch noch mal Freunde hier treffen“, sagte Tom Strohbach, der seit Herbst 2011 beim aktuellen Pokalsieger Generali Haching unter Vertrag steht und zumindest auch noch ein Jahr dort bleibt.

 
Über VCO Berlin zu Generali Haching

Sein sportlicher Aufstieg verlief rasant. In Sachen Volleyball gehört er eigentlich zu den Spätstartern. „Von der 2. bis zur 10. Klasse war ich in der Leichtathletik. Das hat mir dann aber keinen Spaß mehr gemacht. Ich wollte lieber Volleyball spielen“, erzählt der 1,97 Meter große Schlaks. Und von da an ging’s steil bergauf. In seinem 13. Schuljahr ging er zu VC Olympia Berlin, gleichbedeutend mit der JuniorenNationalmannschaft, mit der er 2011 EMSechster und WMZehnter wurde. Da entstanden auch die Kontakte zu Generali Haching, der neben dem VfB Friedrichshafen und den Volleys Berlin zu den TopKlubs in Deutschland gehört. „Ich wollte eine andere Erfahrung machen und da war Haching die beste Alternative. Es lief in den vergangenen zwei Jahren sicher nicht alles optimal, ich bin da ja der jüngste Spieler. Aber ich greife nächste Saison wieder an. Mein Ziel sollte es sein, mich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.“

Dazu soll auch die Nominierung in den 14er Kader der DVVRiesen dienen. Er sei von seinen Teamkollegen super aufgenommen worden. „Es ist ein Fordern und Fördern“, formuliert der Neuling kurz und knapp. „Tom hat großes Potenzial. Für ihn ist es noch nicht wichtig zu spielen, er soll noch Erfahrungen sammeln“, äußert sich der Bundestrainer, der bei den WorldLeaguePartien nur zwölf Spieler nominieren kann. Selbst, wenn Tom nicht aufläuft wie im ersten Duell gegen Italien, in so kurzer Zeit bei der Nationalmannschaft überhaupt die Gelegenheit zum Trainieren zu bekommen, das schaffen nicht viele. „Ich habe mitbekommen, dass ich noch viel lernen muss. Da habe ich den Sommer über die Möglichkeit dazu. Ich hoffe, dass ich noch lange dabei sein darf“, meint der Youngster.

Für den 21-Jährigen scheint das alles allerdings nicht ganz so einfach. Neben seinen besonderen sportlichen Stärken in der Annahme, weiß er auch um seine Schwächen. „Meine größte ist meine Ungeduld. Ich will zu schnell zu viel. Das funktioniert aber nicht. So bin ich auch schneller frustriert und habe den Kopf nicht frei fürs Volleyballspielen. Konsequent an sich selbst zu arbeiten, ist für mich das Schwierigste“, merkt er selbstkritisch an.

Aber er weiß, was er will. „Vor vier Jahren habe ich einen Zeitungsartikel über Berit Kauffeldt (Mittelblockerin aus Schwerin, die den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft hat) gelesen. Da habe ich mir gesagt: ,Da will ich auch mal hin’“. Dieses Ziel erreichte er über die Stationen Berlin, Haching und jetzt in der Nationalmannschaft. Nebenbei fing Tom in Ansbach ein Studium des International Management an. Es ist eine Art Fernstudium, allerdings mit Präsenztagen. Dieses Studium ist extra auf Leistungssportler zugeschnitten. Doch da hält er sich derzeit ein bisschen zurück. „Die Nationalmannschaft fordert mir sehr viel Zeit ab“, meint der 21-Jährige, der in seiner knapp bemessenen Freizeit, sich gern mit Freunden trifft, im Internet surft und Gitarre spielt. Zu Letzterem kommt er allerdings derzeit auch nicht. „Ich kann ja schließlich nicht mit der Gitarre durch die Gegend reisen.“ Wenn die DVVAuswahl heute Schwerin verlässt und das Wochenende über in Bremen ist, heißt es am Montag schon wieder: auf zum Trainingslager nach Kienbaum – auch für Tom Strohbach.

Auf der Suche nach dem Weg, um sich seinen Traum zu erfüllen

Das große Talent hegt noch ganz andere Ziele oder besser gesagt Träume. Olympia in Rio 2016 will der Außenangreifer da gar nicht gesondert erwähnen, das sei ja schließlich selbstverständlich als Nationalspieler. Sein großer Traum ist reisen. „Ich suche derzeit noch den Weg, um mir diesen Traum zu erfüllen. Der Sport ist ein Weg dazu“, sagt er und erinnert sich: „Mit der JuniorenNationalmannschaft war ich in Rio, das war super und in Weißrussland, das war nicht so mein Ding.“ So würde er natürlich auch nach seiner Station in Haching ins Ausland wechseln wollen. Darüber spricht er mit seinen etablierten Nationalmannschaftskollegen, die reihenweise ihre Brötchen in aller Herren Länder verdienen und ihm gute und weniger gute Erfahrungen mitteilen können. „In Italien zum Beispiel ist es schon ein Problem, an sein Geld zu kommen. Da bist du ganz schnell auf dich allein gestellt.“

 

Vielleicht kann er ja erst einmal in der Vorrunde der World League noch die eine oder andere Reise entweder nach Serbien oder in den Iran mitmachen…

 

Bericht: Martina Kasprzak / Schweriner Volkszeitung 20.06.2013
Foto: Dietmar Albrecht für die SVZ