„Ich bin froh, wieder zu Hause zu sein und nicht immer nur mal ein, zwei Tage“, sagt Kathleen Weiß. Seit Mai tourte sie mit der Nationalmannschaft von Lehrgang zu Lehrgang, von Turnieren über Testspiele bis letztendlich zur EM. Die gesamte Saisonvorbereitung beim SSC bekam sie nicht mit. So stellte Trainer Tore Aleksandersen auch die 18-jährige Denise Hanke beim Bundesliga-Auftakt gegen Leverkusen am vergangenen Sonnabend in den ersten Sechser. „Ich habe damit kein Problem, am Anfang ist das in Ordnung. Für unser Team ist es gut, wenn wir zwei gute Zuspielerinnen haben“, so Kathleen, die allerdings Ende des ersten Satzes eingewechselt wurde. Doch die gebürtige Schwerinerin weiß, „was ich kann. Aber natürlich muss ich mich auch noch weiterentwickeln.“ Ihr ist bewusst, dass „alle, wenn du Zuspielerin und dann noch bei der Nationalmannschaft bist, sowieso auf einen gucken“.

Der Bundesliga-Alltag hat Kathleen Weiß also wieder. „Natürlich ist es schon eine Umstellung. Aber ich spiele ja mit vielen schon lange beim SSC zusammen. Da ist man in einer Woche auch wieder drin“, so die Sportsoldatin der Sportfördergruppe Rostock.

Ihre Mannschaft, die sie zur Spielführerin gleich nach ihrer Rückkehr gewählt hat, wirkte schon während der gesamten Vorbereitung seh homogen. Auch dem Kapitän hat sich dieser Eindruck schnell vermittelt. „Es herrscht eine tolle Stimmung im Team. Auch mit den jungen Spielerinnen läuft es ganz gut.“ Als Kapitän kommt ihr natürlich eine besondere Rolle zu. „Ich hoffe, dass ich auf dem Feld alle unterstützen kann. Aber auch außerhalb, wenn es vielleicht mal Probleme gibt“, so die neue Spielführerin, die das Amt von der zu Vakifbank Istanbul gewechselten Sylvia Roll übernommen hat. Die 34-Jährige war eine Führungspersönlichkeit, Kathleen ist dies in dieser Form noch nicht. Doch da glaubt sie auch, „dass wir das als Mannschaft ganz gut ausgleichen können“. Viel schlimmer wiegt für sie im Moment die Tatsache, dass durch die vielen Verletzten und eben den Weggang von Sylvia Roll ein Mangel an Außenangreiferinnen mit Annahmequalitäten in Reihen des SSC herrscht.

Irgendwann mal auch
ins Ausland wechselnKathleen fing im Alter von acht Jahren in der Trainingsgruppe ihrer Mutter Petra mit dem Volleyball an. „Na, zu Anfang war das ein bisschen baggern und pritschen. Das hat sich dann so weiterentwickelt“, erinnert sich die Tochter der früheren Leichtathletin und Volleyballerin des SC Traktor. Und der Blondschopf macht keinen Hehl daraus: „Sport ist mein Leben.“ So liebäugelt die ehemalige Schülerin vom Schweriner Sportgymnasium auch irgendwann mal mit einem Wechsel ins Ausland, um „Erfahrungen in einer stärkeren Liga zu sammeln“. Aber auch was ihr späteres Berufsleben angeht, sollte das schon mit Sport zu tun haben. „Ein Studium wäre nicht schlecht. Vielleicht irgendetwas in der Kombination mit Medizin. Aber da will ich mich jetzt noch nicht festlegen. Ich habe es schon oftmals erlebt, dass es anders gelaufen ist, als ich es mir gedacht habe“, sagt Kathleen. Und da ist das beste Beispiel die Nationalmannschaft. Unter dem Vorgänger von Bundestrainer Giovanni Guidetti, dem Südkoreaner Hee Wan Lee, hatte sie die Auswahl schon abgehakt. Bei Lee kam sie nie so richtig zum Zug. Seit einem Jahr ist sie unter der Regie des Italieners wieder dabei und das sogar als erste Zuspielerin.

Foto – Dietmar Albrecht: Kathleen Weiß (vorn) führt die Schweriner Volleyballerinnen als Mannschaftskapitän in dieser Saison.