Siegen ist Kopfsache

17. Januar 2018
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© SSC

Für so ziemlichen jeden Fan des SSC Palmberg Schwerin war die Heimniederlage gegen Vilsbiburg Anfang Januar eine Überraschung – immerhin hatte man die Raben in dieser Saison schon zweimal geschlagen und kurz zuvor eine Galavorstellung gegen Stuttgart gegeben. Einzig Thorsten Weidig ist mit einem solchen Urteil zurückhaltend: „Es war sicher nicht erfreulich, gegen eine nominell schwächere Mannschaft zu verlieren, aber wirklich überraschend? Aus meiner Sicht war es eine normale Dynamik, die ich mit Blick auf den Kader auch einkalkulieren muss, wenn ich nicht wie letztes Jahr einen eingespielten Sechser an Nationalspielerinnen habe, sondern mehr perspektivische Spielerinnen, die sich noch entwickeln und ankommen müssen in Schwerin. Das kann nicht die gleiche Konstanz haben wie letztes Jahr.“

Der promovierte Sportpsychologe aus Hamburg stellt das nicht als Hobby-Fern-Diagnose – er kennt die Mannschaft gut: Seit 2016 ist er beim SSC an Bord, um das Team mental zu stärken. Nicht, weil die Spielerinnen krank wären oder einer Therapie bedürften, sondern weil mittlerweile im Sport etabliert ist, dass Siege nicht nur auf das Konto starker Muskeln und ausgeklügelter Taktik gehen: „Experten sagen immer wieder, der Kopf entscheidet, der Willen, das Wollen.“ Deshalb gewinnt eben auch durchaus ein vermeintlicher David gegen Goliath, findet man auch immer wieder Mannschaften auf deutlich besseren Tabellenplätzen, als man das von der Kaderstärke her erwartet hätte.

Kopftraining, um stressresistenter und leistungsfähiger zu werden, bietet Thorsten Weidig den Sportlern dafür an. Wie diese Arbeit konkret aussieht – an welchem Thema man arbeitet, ob in Einzel- oder Teamgesprächen oder Praxisübungen auf dem Feld, ob mit sporadischen Impulsen oder im kontinuierlichen Austausch, ob mit kognitiven oder affektiven Strategien – wird ganz individuell auf Sportler und Verein abgestimmt. Gezwungen wird niemand, dieses Angebot anzunehmen. „Mit mir muss man nicht arbeiten. Man kann nur viel erreichen, wenn jemand bereit ist, sich in diesem Bereich weiterzuentwickeln und offen ist für die Impulse, die ich geben kann.“ Wie auch der SSC-Trainerstab: „Ich bin noch ein junger Trainer“, sagt Chefcoach Felix Koslowski. „Ich bin dankbar für das, was ich von Thorsten lernen kann, zum Beispiel besser einzuschätzen, was meine Spielerinnen in bestimmten Momenten, wie in einer taktischen Auszeit, von mir brauchen.“
Zur Person
Dr. Thorsten Weidig, selbst passionierter Sportler („immer mit mehr Willen als Talent…“), hat in Tübingen die in seinem Jahrgang einmalige Kombination aus Psychologie mit Nebenfach Sport studiert und schon damals überlegt, wie man die Kenntnisse der Psychologie, z. B. zum Thema Motivation, im Leistungssport nutzen kann. Sowohl seine Diplom- wie auch die Doktorarbeit schrieb er in diesem Metier. Seit 2005 setzt er sein Wissen als Sportpsychologe – den ungeschützten und deshalb inflationär gebrauchten Begriff Mentaltrainer nutzt er selbst nicht gern – in der Praxis und in der Lehre um. Neben dem SSC begleitet der Wahl-Hamburger u. a. Beachvolleyballer, Handballer, Fußballer, Golfer und Hockeyspieler. www.mental-kontor.de

ssc-intern [kawi]


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