Der Ball sprang vom Dresdner Doppelblock ins Aus – der Rest war blau-gelber Jubel. Schwerins Trainer Teun Buijs bekam Sekunden nach Abpfiff eine Bierdusche verpasst. Triefend flüchtete der Meistertrainer in die Katakomben der Dresdner Margon-Arena – um sich kurz von dem mentalen Auf und Ab dieses unglaublichen Spiels zu erholen und seine Frau anzurufen. „Ich bin super müde, aber glücklich”, sagte der SSC-Coach erschöpft.

 

„Unser Jahr war super erfolgreich – die ganze Saison auf dem ersten Platz, eine tolle Champions-League-Saison, Pokalsieger und jetzt Meister – mehr geht eigentlich nicht”, sagte Buijs. Sein Kollege Alex Waibl sagte: „Mein Mitgefühl gilt meinem Spielerinnen. Es tut mir sehr, sehr leid für die Mannschaft, dass sie sich heute nicht den verdienten Sieg geholt hat.”

 

Das vierte Finalspiel war das wohl mitreißendste der Saison – ein emotionales Wellenbad, bei der Schwerin in den entscheidenden Sätzen drei und vier immer oben schwamm. Nach einem ausgeglichenen Beginn zog Schwerin im ersten Satz durch zwei unwiderstehliche Aufschlagserien von Quinta Steenbergen und Spielführerin Denise Hanke unaufhaltsam davon. Nach dem 13:13 holte der DSC vor 3000 Fans in der zum achten Mal in dieser Saison ausverkauften Margon-Arena nur noch ein einziges Pünktchen. Mit sechs direkten Annahmefehlern brach die Defensive komplett in sich zusammen, ein geordneter Aufbau war nicht mehr möglich.

 

Davon unbeeindruckt zogen die Gastgeberinnen zu Beginn des zweiten Durchgangs mit 7:2 davon. Doch Schwerin behielt die Ruhe und arbeitete sich bis zum 19:21 wieder in Reichweite. Danach allerdings ließen die Dresdnerinnen vor den Augen von Verteidigungsminister Thomas de Maizière und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidenten Erwin Sellering keinen Punkt mehr zu. Stefanie Karg beendete die Partie mit einer Aufschlagserie. Schwerin brachte die Annahme nicht mehr nach vorn und Dresden agierte nun bei den entscheidenden Bällen des Satzes hellwach.

 

Ein Knackpunkt der Partie war die heiß umkämpfte Schlussphase des dritten Satzes. Dresden spielte sich phasenweise in einen Flow und lag beim 20:14 bereits mit sechs Zählern in Führung. Doch Schwerin biss sich zurück in die Partie. Im wohl spannendsten Satz der Saison hatten sowohl Dresden als auch Schwerin je fünf Satzbälle. Immer wieder behielten die Spielerinnen die Nerven und hielten den Durchgang offen. Schließlich verschlug Dresdens Top-Scorerin Martina Utla den entscheidenden Ball zum 30:32.

 

Doch Dresden steckte noch immer nicht auf – eine neue Qualität in diesem Jahr. „Der Unterschied in dieser Saison zu den vergangenen Jahren ist, dass wir auch in schwierigen Phasen die Ruhe bewahren, Qualität beweisen und zurückkommen”, hatte DSC-Coach Alexander Waibl nach dem zweiten Finalspiel gesagt. Und tatsächlich erholte sich der DSC von dem mentalen Tiefschlag und marschierte erneut voran. Mit 16:12 führten die Hausherrinen zur zweiten technischen Auszeit. Doch erneut hatte Schwerin in der Schlussphase mehr Konstanz und Druck in seinen Aktionen. Denise Hankes kleine Aufschlagserie brach dann endgültig den Widerstand.

 

„In den entscheidenden Momenten im dritten und vierten Satz hat uns heute ein wenig Glück gefehlt. Und wir treffen dann Entscheidungen, die nicht ganz optimal sind. Gegen diesen Gegner fehlt uns dann wohl auch das Selbstvertrauen”, sagte Alex Waibl. Schwerins Spielführerin Denise Hanke sagte: „Das war eine ganz knappe Sache. Wir haben es in den entscheidenden Phasen geschafft, unser Spiel zu spielen. Da haben wir ein Stück mehr Konstanz gezeigt als die Dresdnerinnen.” Der begeisterte Ministerpräsident Sellering, der die Meisterschale an die Schwerinerinnen übergab, sagte: „Wir haben vier erstklassige Finalspiele gesehen. Da ich mir mit dem Verteidigungsminister einig: Das war erstklassige Werbung für den Volleyball.”

     

* Die Finalserie on demand auf www.DVL-live.tv *

     

 

Die Ergebnisse

Play-off-Finale, 1. Liga Frauen (Modus: „best of five”) Spiel 4:

08.05. | Dresdner SC – Schweriner SC | 1:3 (14:25, 25:19, 30:32, 22:25)

 

Spiel 3:

04.05. | Schweriner SC – Dresdner SC | 3:1 (25:19, 17:25, 25:21, 25:22)

 

Spiel 2:

01.05. | Dresdner SC – Schweriner SC | 3:1 (25:13, 17:25, 25:19, 25:17)

 

Spiel 1:

27.04. | Schweriner SC – Dresdner SC | 3:1 (25:15, 16:25, 25:21, 25:17)