Saag Paneer statt Nudeln mit Huhn

13. April 2020
Neuigkeit teilen:

© Eckhard Mai

„Ich kenne alles hier, die Leute, das Büro, die Stadt. Ich bin zufrieden und glücklich in Schwerin“, bekräftigt Lauren Barfield. Dass die US-amerikanische Mittelblockerin gerade ihren Vertrag beim SSC Palmberg Schwerin um eine fünfte Saison verlängert hat, hat nicht unwesentlich damit zu tun, dass ihr ihr langjähriger, vertrauter Club in diesen sehr unsicheren Zeiten das Gefühl von Sicherheit gibt: „Man weiß definitiv noch einmal mehr zu schätzen, was man hier hat, wenn ringsum beunruhigende Dinge passieren.“ Zwar ist im Moment nur schwer vorstellbar, wie die nächste Bundesligasaison aussehen wird, „aber hier ist trotzdem alles klarer und sicherer als anderswo.“

Weil ihre Heimatregion an der amerikanischen Westküste ein großes Corona-Sorgengebiet ist, hat sich die 30-Jährige nach dem Ende der Spielzeit entschieden, vorerst in Schwerin zu bleiben. „Hier man kann rausgehen und laufen, ohne Probleme zu haben, den Abstand zu halten, Schwerin ist ein guter Ort, um Kontakte zu vermeiden. Berlin oder Hamburg könnte ich mir grad nicht vorstellen.“ Was ihren Tag in dieser außerplanmäßig langen Saisonpause füllt, außer gewissenhaft den SSC-Trainingsplan abzuarbeiten? „Wahrscheinlich wie bei allen anderen aufräumen, putzen, lesen und Netflix schauen. Außerdem versuch ich, online mein Deutsch zu verbessern. Ansonsten übe ich mich in Geduld.“

Vor allem, sagt Lauren, genießt sie es, die Zeit und Gelegenheit zu haben, beim Kochen zu experimentieren. „Während der Saison essen wir oft ständig dasselbe, meist Nudeln mit Huhn, weil es schnell und einfach geht und man oft nicht in der Stimmung ist oder die Kraft hat, was Neues oder Aufwändiges zu machen. Ich hab aber schon immer gern gekocht und probiere jetzt viel aus, zum Beispiel indisch-amerikanische Küche, wie sie eine Frau auf YouTube zeigt. Letztens gab es Saag Paneer, indischen Käse mit Spinat, das war superlecker. Oder einfach gekochte Tomaten mit Ricotta auf Brot. Ich merke zunehmend, dass es mir guttut, nicht mehr so viel schwere Gerichte zu essen, sondern weniger und leichteres. Ich bin halt 30 und kein Teenager mit Dauerhunger mehr.“

Dafür aber eine der SSC-Spielerinnen mit dem größten Erfahrungsschatz – und damit extrem wertvoll fürs Team, sagt Chefcoach Felix Koslowski: „Lauren kann viel Ruhe und Erfahrung in die Mannschaft einbringen. Außerdem ist sie physisch sehr stark. Vor allem hat sie hier in Schwerin eine Gewinnermentalität kultiviert, durch die Titel, Pokale und die erfolgreichen Europapokale, die sie hier mitgespielt hat. Es ist für uns ganz wichtig, diese Mentalität im Team aufrechtzuerhalten, und da ist Lauren ein wichtiger Baustein.“

Die Rolle ist für Lauren nicht neu; dass sie deshalb eine gute Ratgeberin für die Jüngeren sein kann – „Ich???“ – zweifelt sie trotzdem an. Zum einen, weil letztlich jeder ohnehin seine eigenen Erfahrungen machen, seinen eigenen Weg finden muss. Zum anderen, weil sie sich noch gar nicht so viel anders fühlt als mit Mitte 20, meint sie. Wenn sie aber eines mitgeben könnte, dann etwas, das gerade in diesen Zeiten wohl für jeden von uns hilfreich wäre: In der Ruhe liegt die Kraft. „Ich sehe bei den Jüngeren oft, wie emotional sie reagieren und weiß noch genau, mit Anfang 20 war ich auch so. Jetzt fällt es mir leichter, ruhig zu bleiben und ich merke, wie hilfreich das ist, sich nicht immer so aufzuputschen. Mir ist inzwischen bewusst, dass ich nicht alles kontrollieren kann. Ich kann lediglich das, was ich in der Hand habe, gut und smart handhaben, mehr kann man nicht machen. Das hilft mir, wenn ich mal nervös oder unsicher bin, wieder ruhig zu werden.“

Laurens Empfehlungen für alle Netflixer:
„Mad Men“ – lang und in gemütlichem Tempo erzählt, aber sehr gut gemacht
„Mindhunter“ – einfach richtig gut
„BoJack Horsman“ – für Cartoon-Liebhaber
„Avatar“ – dito

We’re happy you’re staying in Schwerin, Lauren! Stay calm and healthy and carry on!

ssc-intern [kawi]


© Ecki Raff

© Eckhard Mai

Neuigkeit teilen: