Neben der Freude über die Qualifikation schien der russische Trainer auch erleichtert zu sein, das sein Team den erwarteten Erfolg eingefahren hatte, war Russland als aktueller Weltmeister doch als absoluter Top-Favorit für die Qualifikation gehandelt worden. Doch im Finale bewies sich der Gegner aus Polen als gleichwertig und ließ während des Matches völlig offen, wer sich für Peking qualifizieren könnte. „Das Match hat mir gezeigt, dass wir von der Leistung zu Weltspitze aufgeschlossen haben“, analysierte Polens Coach Marco Bonitta die Partie und blickte dann gleich positiv in die Zukunft: „Wir haben jetzt noch eine Chance uns für die Olympischen Spiele zu qualifizieren und ich glaube, mit der Leistung, die wir in diesem Turnier gezeigt haben, können wir uns Hoffnungen auf Peking machen." Die Zuversicht des polnischen Trainers scheint berechtigt, denn das polnische Team bewies auch noch mal im Finale nicht nur spielerische Klasse, sondern auch großen Einsatz und Willen.

Obwohl Polen schon in den ersten beiden Sätzen mit dem Weltmeister mithalten konnten, sicherte sich Russland die Durchgänge mit 25-23 und 25-22. Vieles schien danach auszusehen, als ob das russische Team ungefährdet das Finale gewinnen könnte. Doch dann erwischten die Polinnen im dritten Satz einen „magischen Moment“, wie es Marco Bonitta nachher bezeichnete, und dominierten Russland nach Belieben. Der außergewöhnliche Satzgewinn mit 25-11 folgte. Im vierten Durchgang schien sich der Weltmeister wieder gefangen zu haben, beim Stande von 18-14 deuten die Zeichen auf Sieg für Russland. Doch das polnische Team mobilisiert noch einmal alle Kräfte und dreht den Satz zu seinen Gunsten, 25-22 und damit Satzausgleich. Im Entscheidungssatz dann wieder das gleiche Bild, Russland schien eindeutig auf der Siegesstraße, führte schon mit 13-7. Doch erneut gab das polnische Team nicht auf, holte sechs Punkte in Folge in stand kurz vor dem Ausgleich. Doch Gamova verschafft mit einem ihrer insgesamt 27 Punkte Russland zwei Matchbälle. Den ersten können die Polinnen noch abwehren, dann setzt Glinka einen Angriffsball ins Aus und Russland hat es nach Peking geschafft.

Nach dem ersten Jubel auf russischer Seite wurden die Töne dann allerdings ernster. Die anschließende Pressekonferenz nutze Russlands Trainer Giovanni Caprara um seinem Ärger über einige Vorfälle des Turniers Luft zu machen. „Es kann ich nicht sein, dass der Spielplan so gestaltet wird, dass wir als Weltmeister mit fünf Spielen in fünf Tagen das härteste Programm zu absolvieren haben. Außerdem war die Besetzung dieses Turnier sehr komisch. Polen hatte es aufgrund der sportlichen Umstände nicht verdient hier zu spielen. Deswegen bin ich auch froh, dass wir hier gewonnen haben und es so zumindest etwas Gerechtigkeit gibt!" Ein Kommentar, der vor allem auf polnischer Seite nicht auf Gegenliebe stieß und schon jetzt eins klar macht: Sollten sich beiden Teams in Peking wiedertreffen, dürfte es erneut eine spannende Begegnung werden.