SCHWERIN – Tabellenzweiter gegen Spitzenreiter – das waren die Vorzeichen im Spitzenspiel der Volleyball-Bundesliga der Frauen am Sonnabend. Aber die Papierform trog: Statt des erhofften Vergleichs zweier Top-Mannschaften erlebten die 850 Zuschauer eine einseitige Partie, in der die Gastgeberinnen vom Schweriner SC die Roten Raben aus Vilsbiburg nach allen Regeln der Kunst rupften. Die Spielerinnen des bisherigen Tabellenführers schlichen nach nur 68 Minuten deprimiert aus der Halle, während das Schweriner Publikum den neuen Spitzenreiter feierte. Mit einer sensationellen Leistung hatte der SSC die Bayern abgerfertigt und verbuchte ein in dieser Deutlichkeit nie erwartetes 3:0 (15, 18, 21) auf der Habenseite. "Mit dieser Leistung können wir jeden schlagen", rühmte SSC-Trainer Tore Aleksandersen die Leistung seiner Schützlinge.

Zuspielerin Hanke brachte SSC-Express ins Rollen

Im Vorfeld hatte der Norweger noch gefordert: "Wir müssen gut spielen, und zwar konstant. Dann können wir auch gewinnen." Die Mannschaft hatte diese Worte wohl vernommen – und setzte sie um. Nur bis zum 7:7 konnten die Gäste im ersten Durchgang mithalten. Aber nach der ersten technischen Auszeit beim 8:7 für Schwerin kam der SSC-Express ins Rollen. Herrlich in Szene gesetzt von Zuspielerin Denise Hanke, die für viele überraschend den Vorzug vor Kathleen Weiß erhalten hatte, punkteten die Gastgeberinnen förmlich nach Belieben. Angela Kryvarot, einmal mehr eifrigste Punktesammlerin beim SSC, blieb es vorbehalten, den ersten Durchgang nach 19 Minuten mit 25:15 zu beenden.

Gäste auf allen Ebenen unter Druck gesetzt

Und der SSC ließ nicht locker: Beim 8:4 die erste technische Auszeit, 16:8 hieß es bei der zweiten. Bei den Gästen hielt zunehmend Entsetzen Einzug in der Mimik – derart viel Druck von Schwerin über nahezu alle Spielelemente hatten sie nicht erwartet. Patricia Wolf vollendete letztlich zum 25:18.

In Durchgang drei schien nun endlich die erwartete Spannung aufzukommen: Vilsbiburg kam durch die Brasilianerin Daniela Lanner Mapeli und Katja Wühler in Vorderhand, führte bis zum 9:8. Aber beim 9:9 kam Denise Hanke an den Aufschlag – und es war um die Herrlichkeit der Bayern geschehen. Bis zum 15:9 gab es auf Vilsbiburgs Seite keine einzige Aktion, kein einziger der stark geschlagenen Aufschlagbälle kam zurück übers Netz. Bis zum 19:13 blieb es beim Sechs-Punkte-Vorsprung, bis bei den Raben Katja Wühler an den Aufschlag kam. Jetzt hatte der SSC mit Problemen zu kämpfen, Tore Aleksandersen nahm innerhalb von zwei Minuten beide Auszeiten. Und das fruchtete: Ab dem 20:17 fing sich Schwerin wieder, erneut Angela Kryvarot setzte den Schlusspunkt zum umjubelten 25:21.

Schwerin: Hanke, Kryvarot, Schlüter, Gollan, Retzlaff, Thormann – Dörendahl; Kato, Weiß.

Vilsbiburg: Jenzewski, Lanner Mapeli, Pachale, Zarkowa, Wühler, Burchardt – Dürr; Fetting, Yin, Nemtanu.

Schiedsrichter: Leuthäßer/Kuhr (Gotha/Hamburg). Zuschauer: 850. Spieldauer: 68 (19, 24, 26) min.