Romy Jatzko…über Verstand und Bauchgefühl

2. Januar 2020
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© Ecki Raff

Die Philosophiestunde geht weiter: Auch in dieser Saison bitten wir unsere „Neuen“ zum langen Themeninterview. Das Sprichwort „Der Kopf denkt, der Bauch lenkt“ kannte Außenangreiferin Romy Jatzko (19) zwar noch nicht, als sie spontan eine Plauderei über Verstand und Bauchgefühl wählte, „weil ich mich schon damit beschäftige, wie ich meine Entscheidungen treffe“. Im Gespräch zeigte sich dann aber sehr schnell, dass die junge Berlinerin mit dem Prinzip außerordentlich gut vertraut ist.


Romy, was war damals Deine erste Reaktion, als das Angebot kam, nach Schwerin zu kommen?
Das erste Gefühl war direkt oh ja, will ich gerne! Ich hab mich voll darüber gefreut.

Du musstest also nicht lang überlegen, um das zu entscheiden?
Ich hab dann schon geguckt, ob das zu mir passt und mit anderen darüber gesprochen. Es gab auch andere Ratschläge. Aber am Ende dachte ich, nee, ich hab mich gleich gefreut, das wird schon das richtige sein, ich probier das jetzt einfach aus, ohne viel weiter drüber nachzudenken, was schiefgehen könnte. Das hab ich dann schon intuitiv entschieden, das passte für mich. Da konnte mir keiner viel reinreden.

Das heißt, für Dich muss der Bauch stimmen, das Gefühl?
Ja, ich glaub, das erste Gefühl ist immer ganz wichtig, weil das kommt spontan. Wenn man über manche Sachen zu intensiv nachdenkt, kann man sie auch zerstören. Ich mein, wenn ich einen neuen Mixer kaufe, kann ich drüber nachdenken und vergleichen, welcher der bessere ist. Aber wenn es um ganz große, wichtige Entscheidungen geht, die viel für die Zukunft verändern, mache ich in der Regel das, was mir im ersten Moment am besten gefällt, da bin ich der intuitive Typ.

Und wenn der Kopf dann etwas ganz anderes sagt?
Manchmal fühle ich mich schon so, als gäbe es zwei Ichs. Das eine redet die ganze Zeit, und das andere weiß aber eigentlich, was richtig ist. Die Gedanken wollen schon mal etwas mehr Negatives einbringen, und wenn ich zu sehr drüber nachdenke, beeinflusst der Kopf der Bauch, der fühlt sich dann irgendwie auch unwohl. Deshalb glaube ich, dass ich diesen Gedanken nicht so viel Aufmerksamkeit schenken darf. Meistens passen Bauch und Kopf aber gut zusammen.

Warum vertraust Du dem Bauch im Zweifelsfall mehr, warum ist er dem Kopf überlegen?
Ich glaub, mit dem Bauch ist man mehr bei sich. Wenn du zu oft gegen den Bauch entscheidest, bist du zu wenig bei dir, denkst vielleicht zu viel darüber nach, was andere von dir denken. Dann kannst du eh nicht glücklich sein. Mein Freund meint manchmal, ich bin ein bisschen naiv, weil ich vieles aus dem Bauch mache, während er alles durchdenkt. Aber ich mach ja keine total blöden Sachen. Ich guck schon auch, dass es passt und ich mich nicht reinlegen lasse. Das Bauchgefühl kommt ja auch irgendwo her.

Woher?
Vielleicht auch aus dem Kopf, wo die Erfahrungen gespeichert sind. Aber es ist kein rationaler Gedanke, sondern ein Gefühl, eine Emotion, ob ich mich mit etwas sicherfühle, wohlfühle oder ob es grummelt, je nachdem, was man schon über etwas gehört hat, was man erlebt hat, wie man es bewertet.

Macht es das zu einer leichten, vielleicht auch bequemen Entscheidung?
Nein. Nach dem Abi hab ich mir schon wie jeder grundsätzlich Gedanken gemacht, wohin geht es, was mach ich, will ich studieren oder erst mal nur Volleyball spielen. Ich wollte ja auch das Richtige für mich machen, wie ich es will, und nicht, wie die Gesellschaft es denkt. Und nach Schwerin zu gehen, wo ich noch keinen richtig kannte, hieß schon raus aus der Komfortzone, nachdem ich immer in Berlin, immer zuhause bei den Eltern gewohnt habe. Ich denke aber, das muss man auch öfter machen, sich gegen den bequemen Weg entscheiden, dann ist man glücklicher.

Und wenn nicht?
Es hält einen ja keiner fest, man kann immer nein sagen und aussteigen. Man probiert es aus, und wenn es nicht passt, muss man es auch nicht durchziehen. Dann verändert man es oder lässt es einfach. Da gab es bei mir zuhause auch nie Druck, sondern immer viel Vertrauen.

Hast Du Dich mit dieser Einstellung überhaupt schon mal richtig quälen müssen mit einer Entscheidung?
Nein. Viele sind ja eh welche, die keinen großen Unterschied machen. Und aus den vermeintlich falschen lernst du am meisten. Ich hab das Gefühl, es gibt gute Entscheidungen und Entscheidungen, aus denen wir lernen. So hat am Ende jede ihre Berechtigung.

Und Du kannst im Nachhinein immer gut damit leben?
Ja. Es kommt schon mal der Gedanke, ob ich was verpasse, weil ich eine Entscheidung so getroffen habe. Also zum Beispiel, weil ich nicht wie viele meines Jahrgangs nach dem Abi nach Amerika gegangen bin. Die sind da alle zufrieden, lernen Englisch, das wär doch vielleicht auch für mich gut gewesen. Aber es macht keinen Sinn so zu denken, ich kann mich da auch schnell wieder auf das fokussieren, was ist. Und ich bin jetzt genau da, wo ich sein soll. Da wäre ich nicht, wenn ich vorher was anderes gemacht. Das passt also schon. Deshalb kann ich mit Zuversicht in die Zukunft schauen, wenn ich so weitermache.

Romy Jatzko, geboren am 26. Januar 2000 in Berlin, 1,85 Meter, spielte zunächst beim Berlin Brandenburg Sportclub, denn bei der SG Rotation Prenzlauer Berg und ab 2017 beim VCO Berlin Volleyball. 2018 nahm sie mit der Junioren-Nationalmannschaft an der U19-EM teil. Trotz einer längeren Verletzungspause überzeugte die 19-Jährige den SSC im Frühjahr 2019 mit ihren Leistungen und ihrer Mentalität und wurde der erste Schweriner Neuzugang für die aktuelle Saison.

ssc-intern [kawi]


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