Ralina Doshkova… über Eigenverantwortung und Fremdwahrnehmung

8. Februar 2019
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Trotz höchster Konzentration auf den rappelvollen Spielplan haben sich unsere „Neuen“ gern Zeit für unsere langen Themeninterviews abseits des Volleyballalltags genommen. Heute: Ralina Doshkova


Ralina, wann hat Dein Weg als Volleyballerin begonnen?
Ich habe mit 14 angefangen, Volleyball zu spielen. Mit 16 bin ich aufs Internat zu CSKA Sofia gegangen. Das war anfangs sehr beängstigend und einsam. Mit 17 habe ich bei den Profis angefangen, da wurde es verrückt.

Mit 17 warst Du schon im Profiteam in Sofia – obwohl Du erst drei Jahre Volleyball gespielt hast?
Ja. Ich habe da aber gar nicht groß drüber nachgedacht. Bis zur aktuellen Saison habe ich mich nie als Profispielerin gesehen, auch wenn ich mit Sofia mehrfach Meister war. Es hat einfach nur Spaß gemacht zu spielen. Jetzt ist es wirklich mein Job, den ich richtig gut machen will. Deshalb war ich anfangs in Schwerin auch sehr nervös, weil mich hier noch keiner kannte und ich gleich mein Bestes zeigen wollte.

Wie hat sich Deine erste Auslandssaison hier angelassen?
Ich hatte erwartet, dass es sehr hart wird, weil Freunde, die schon im Ausland waren, mir prophezeit hatten, dass man da die ganze Zeit allein ist und niemanden zum Reden hat. Aber es ist ok für mich, ich fühl mich wohl hier. Ich mag Schwerin und die Leute und bin beim besten Team Deutschlands. Es war auch gut, dass ich schon in Sofia anfangen musste, Schritt für Schritt mehr Verantwortung für mich zu übernehmen, mich selbst um meine Sachen zu kümmern. Ich bin da reingewachsen. Wenn ich direkt von zuhause hierher gekommen wäre, wäre es viel schwieriger geworden. Außerdem hat man gar nicht so viel Zeit zum Alleinsein.

Euer Alltag ist sehr getaktet und von außen bestimmt. Kommst Du damit gut klar?
Das ist kein Problem für mich. Ich hab mir diesen ja Job ausgesucht, ich habe entschieden, dass ich Volleyballerin sein will, niemand hat mich dazu gezwungen. Ich finde dieses Leben interessanter als einen normalen Job, das viele Reisen, immer neue Leute treffen, die großen Gefühle, mal glücklich, mal traurig. Auch damit, dass vieles Routine ist, komme ich zurecht. Natürlich muss man diszipliniert sein, aber ich habe ja auch nichts anderes zu tun, außer Volleyball zu spielen.

Ist es da schwierig für Dich, dass Du in Schwerin nicht so oft auf dem Feld stehst?
Ja, schon. Aber es ist auch das erste Mal, dass ich Erfahrungen im Ausland sammeln kann. Hier ist die Organisation viel besser, das Level viel höher und ich finde es gut, wie wir trainieren. Hier lerne ich viele neue Sachen und kann immer besser werden. Das ist mein Ziel, mental und im Spiel.

Wie sehr spürst Du den Erwartungsdruck hier beim SSC?
Ich merke den schon, aber nicht so stark, als wenn ich immer spielen würde. Erwartungsdruck, ein bisschen Stress, kann auch gut sein, das treibt einen zu höheren Leistungen.

Ist es für Dich wichtiger, dass Du selbst mit Dir zufrieden bist oder dass andere Leute zufrieden mit Deinen Leistungen sind?
50:50 würde ich sagen. Ich habe meine eigene Meinung, höre aber immer auch, was andere mir zu sagen haben und denke darüber nach. Ich will mich nicht für besser halten als ich bin. Es ist mir wichtig, dass andere gut finden, was ich mache.

Und wenn sie es nicht gut finden?
Dann finde ich das traurig, es spornt mich aber auch an. Ich habe aber auch kein Problem damit zu sagen, wenn ich es anders sehe.

Kannst Du leichter die Verantwortung für einen Misserfolg oder einen Erfolg übernehmen?
Wenn etwas schiefgelaufen ist, frage ich mich immer erst, was ich gemacht habe und was ich ändern kann, selbst wenn der Fehler nicht bei mir lag. Bei Erfolgen denke ich meist erst an äußere Faktoren, die dazu beigetragen haben. Selbst wenn nur ich allein beteiligt war, bin ich zwar stolz auf meine Leistung, würde das aber nicht so laut sagen. Prahlen finde ich schlimm.

Wie weit planst Du im Leben voraus? Hast Du schon überlegt, was nach dem Volleyball kommen soll?
Im Moment weiß ich es nicht, wahrscheinlich nichts mit Volleyball. In Sofia habe ich zwar ein Studium zum Volleyball Coach angefangen und will das später auch fertig machen. Ich hab aber inzwischen gemerkt, dass ich kein Trainer sein will.

Und trotzdem willst Du das Studium noch zu Ende bringen?
Ja, ich habe da schon zu viel Arbeit reingesteckt, ich kann das jetzt nicht aufgeben, ich will den Abschluss haben. Und vielleicht will ich ja später doch mal so arbeiten.

 

Die Bulgarin Ralina Doshkova (23 Jahre, 1,88 Meter) verstärkt in dieser Saison die Diagonalposition des SSC. Sie hatte zuvor ausschließlich in Sofia gespielt und gehört zum erweiterten Kader ihrer Nationalmannschaft. Ihr größter Erfolg bisher: Mit der U23 wurde sie WM-Dritte.

ssc-intern [kawi]


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