Nach der offiziellen Eröffnung für die 16 besten Teams Deutschlands am frühen Samstag Morgen stieg die Vorfreude aber auch die Aufregung – vor allem bei den mitgereisten Fans – immer weiter und alle Beteiligten freuten sich auf den Beginn des ersten Gruppenspiels der SSC-Mädels gegen einen alten Bekannten – nämlich den VoR Paderborn. Im letzten Jahr entrissen uns die Paderbornerinnen bei der U16w in letzter Sekunde den Gruppensieg.

Die Schwerinerinnen begannen verhalten und lagen schnell mit 1:5 hinten. Eine vom Trainer Radek Krpac genommene Auszeit fruchtete jedoch. Der SSC konnte die Nervosität nun ablegen und lag beim 7:6 erstmals in Führung. Über die Stationen 14:8, 20:14 und 25:17 konnte der erste Satz letztlich sogar souverän gewonnen werden. Jetzt hieß es, den Lauf beizubehalten. Mit einer geschlossenen Teamleistung wurde der zweite Satz über die Punktestände 5:1, 9:2 und 20:8 mit 25:11 und damit das so wichtige erste Spiel sehr sicher gewonnen.

Als zweiter Gruppengegner standen den SSC-Mädels die Gastgeberinnen aus Offenburg gegenüber, die in ihrem ersten Spiel die favorisierten Stuttgarterinnen mit 2:1 überraschend besiegt hatten. Bis zum 13:14 war der Satz stark ausgeglichen. Durch eine beeindruckende Aufschlagserie unserer Pia Selke wurde unser Team zum 25:14 und damit auf die Siegerstraße geführt. Wer jetzt an einen ungefährdeten Sieg glaubte, wurde im zweiten Satz durch viele individuelle Fehler unserer Spielerinnen enttäuscht. Insbesondere unsere bisherige Stärke, die druckvollen Aufschläge, funktionierte nicht mehr. Weiterhin zeigte eine Umstellung des gegnerischen Trainers – die in der ersten Liga beim VCO Berlin spielende Mittelblockerin, Merle Weidt, wurde nun als Außenangreiferin eingesetzt – Erfolg. So ging der Satz folgerichtig und verdient mit 16:25 verloren. Der entscheidende Tiebreak konnte wieder durch platzierte Aufschläge und mutige Angriffe über die Stationen 3:5, 8:6 und 13:9 mit 15:12 gewonnen werden. Die Freude über den zweiten Sieg stand den Mädels und den Fans ins Gesicht geschrieben.

Jetzt galt es, im letzten Spiel gegen die bisher sieglosen Stuttgarterinnen den Gruppensieg einzufahren. Wie im ersten Spiel spürten die Zuschauer sofort, wer der Chef auf dem Feld war. Das Team spielte wieder wie aus einem Guss, Spielerwechsel erfolgten reibungslos und der erste Satz konnte über die Punktestände 5:2, 10:7,17:10 mit 25:15 nach Hause gebracht werden. Der Gruppensieg und damit das Viertelfinale war zum Greifen nahe. Unter den lautstarken Anfeuerungsrufen der blau-gelben Fanwand konnten die SSC-Mädels auch im zweiten Satz ihre spielerische und kämpferische Stärke ausspielen. Von außen wirkte das Auftreten sehr dominant und auch ein kurzzeitiges Aufbäumen der Stuttgarterinnen konnte den Satz-, Spiel- und Gruppensieg nicht verhindern! Mit 25:17 gewann das SSC-Team auch den zweiten Satz und hatte somit als ungeschlagener Gruppenerster die Fahrkarte für das Viertelfinale am Sonntag gelöst. Der Jubel der Spielerinnen, der Trainer und Betreuer und natürlich der Fans kannte kaum noch Grenzen. So konnte der SSC auch dem ungeliebten abendlichen Überkreuzspiel aus dem Wege gehen und sich in Ruhe auf den Sonntag vorbereiten.

Die Fans nutzen den Abend ausführlich zum Fachsimpeln und zum Spekulieren, welches Team sich als unser Viertelfinalgegner qualifizieren würde. Letztendlich setzte sich im entscheidenden Achtelfinale Wiesbaden gegen Berlin mit 2:0 durch. Nach einer unruhigen Nacht konnten die Zuschauer die Anspannung der beiden Teams förmlich spüren. Aufgrund von Feldänderungen wurde das Viertelfinale in der zweiten Sporthalle ausgetragen. Aus unserer Sicht wurde somit dem Gruppenersten das „Heimrecht“ genommen und die Fans hofften, dass sich unser Team dadurch nicht aus dem Rhythmus bringen lassen würde. Aber sofort mit dem Anpfiff übernahmen die Mädels aus Schwerin die Initiative und zeigten, dass sie unbedingt gewinnen wollten. Wiederum brachten die Spielerinnen immer wieder Aufschlagserien im gegnerischen Feld unter. Über 8:2, 11:7,15:9 erreichte der SSC ein 20:14 und die Fans sahen unser Team schon als sicheren Satzgewinner. Allerdings bäumte sich das Team aus Wiesbaden nochmal auf und plötzlich stand es nur noch 20:18 für den SSC. Die Nerven wurden auf dem Feld und auch bei den Trainern und Zuschauern mehr als strapaziert. Beim 23:21 keimte wieder mehr Zuversicht bei unseren Mädels auf und der erste Satz konnte mit 25:21 gewonnen werden. Noch ein Satzgewinn und das Team aus MV hatte eine Medaille sicher! Der folgende Satz war absolut nichts für schwache Nerven. Immer wieder lag das SSC-Team mit zwei Punkten hinten, stand sich manchmal selbst im Weg und machte einfache Fehler. Die genommenen Auszeiten, die lauten Anfeuerungsrufe der Fans und Auswechselspieler unterstützten die Feldspieler und das Team aus dem hohen Norden gab nicht auf. Beim 19:17 und 20:18 keimte wieder Hoffnung bei allen Beteiligten auf. Beim 21:21, 22:22 und 23:23 sprachen die ersten Fans schon von „Psychoterror“ und versuchten mit noch mehr Stimme von draußen dem Team den nötigen Rückhalt zu geben. Der erste Matchball beim 24:23 konnte leider nicht verwertet werden und so stand es 24:24 – der Atem wurde angehalten. Ein genial gespielter Ball von Lea Hartmann auf die freie Position „eins“ des Wiesbadener Teams brachte die erneute Führung für das SSC-Team. Dann Aufschlag SSC – Annahme, Zuspiel und Angriff Wiesbadens, der SSC-Block stellte eine Wand und der Ball fiel im Wiesbadener Feld zu Boden. Damit war Spielgewinn und Medaille für unser tolles Team und auch ein bisschen für die inzwischen heiseren Fans sicher. Jetzt zeigten nicht nur die Spielerinnen und Trainer Emotionen, auch einige Fans mussten sich die Freuden- und Erleichterungstränen aus den Augen wischen.

Das nun folgende Halbfinale gegen den absoluten Favoriten und Vorjahresgewinner Dresdner SC wurde als Zugabe gern angenommen. Trotz großem Einsatz und aller Wechsel-Möglichkeiten, die das Trainerteam auch nutzte, war der DSC in beiden Sätzen überlegen und konnte nicht wirklich durch unsere Mädels in Gefahr gebracht werden. So konnte sich im Halbfinale der spätere Deutsche Meister – Dresdner SC – gegen die SSC-Mädels mit 2:0 durchsetzen. Obwohl das Halbfinale verloren ging, überwog die Freude über die gezeigte Leistung und den erreichten Erfolg. Herzlichen Glückwunsch zur Bronze-Medaille bei den Deutschen Meisterschaften 2016 der U18 weiblich.

 

Für den SSC spielten Luise Klein, Rica Tochtenhagen, Alexandra Röder, Janice Raatz, Kira Moos, Lea Hartmann, Pauline Eichbaum, Lena Kindermann, Sanja Bruns, Lea Ambrosius, Pia Selke, und Anna-Lena Vogel.

 

Fotos: privat