Nicole Oude Luttikhuis… über Humor und Ernsthaftigkeit

18. Januar 2020
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© Michael Dittmer

In Deutschland macht es mehr Spaß, Volleyball zu spielen als daheim in Holland, sagt Nicole Oude Luttikhuis – schlicht weil mehr Leute in den Hallen sind und deshalb mehr Stimmung herrscht. Dass die Außenangreiferin beim SSC Palmberg Schwerin bisher nur sporadisch zum Einsatz kam, ist ok für sie – „Ich lerne sehr viel, werde im Training immer besser. Aber natürlich arbeite ich daran, mehr spielen zu können!“ Im Philosophiestündchen hat sie mit uns darüber gesprochen, wie schwer es ist, in einer fremden Sprache seinen natürlichen Humor auszuleben.


Nicole, zu Beginn erst mal eine etwas seltsame Frage, aber sie hat einen Sinn: Wie oft am Tag putzt Du Dir die Zähne?
Oh Gott, ok… Mindestens zwei-, meist dreimal am Tag. Warum?

Es gibt eine Studie, die besagt, dass Menschen, die sich öfter am Tag die Zähne putzen, humorvoller sind. Warum auch immer man das untersucht hat. Mit dreimal pro Tag fällst Du jedenfalls in die Humor-Riege. Stimmt das?
Ja, ich denke schon. Ich hab aber keine Ahnung, wie man auf diesen Vergleich kommt. Vielleicht weil man mehr lächelt? Aber man kann ja auch Humor haben, ohne ständig zu lächeln. Ich bin ein lustiger Mensch, sehe aber meistens ernst aus. Ich hab schon oft gehört, ich hätte ein „resting bitch face“. Das mag ich gar nicht. Wer mit mir rede, merkt, dass ich gar nicht so ernst bin.

Was soll das eigentlich überhaupt bedeuten, „resting bitch face“?
Ich glaub das ist, wenn man ein Gesicht macht, über das die Leute immer sagen, du müsstest mehr lächeln.

Was ist „Humor haben“ für Dich?
Wenn man Spaß am Leben hat, die Dinge positiv sehen kann, das ist für mich eine Art Humor. Wenn man das nicht kann, ist das ziemlich schrecklich. Ich nehme Volleyball sehr ernst, will aber dabei auch einfach Spaß haben. Ein Leben ohne Humor ist unvorstellbar. Dann wär man wahrscheinlich auch ziemlich einsam.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht, wie es im Deutschen heißt?
Ja, das kommt hin. Wenn man lachen kann, auch wenn es grad nicht so läuft, hilft das. Es ist aber nicht ganz einfach, mir gelingt das nicht immer.

Kannst Du zum Beispiel über Dich selbst lachen, wenn Dinge schiefgehen?
Nicht in dem Moment, da geht es mir oft zu schlecht damit. Da ist meine ernsthafte Seite dran. Aber hinterher, mit etwas Abstand, kann ich es mit einem Lächeln hinter mir lassen. Meistens.

Von den Deutschen wird gesagt, dass sie keinen Humor haben. Stimmt das nach Deiner Erfahrung?
Ich glaub nicht. Jedes Land hat wahrscheinlich seinen eigenen Humor. Ich hab aber keine Ahnung, wie der hier ist, wegen der Sprachbarriere. Das ist ein Problem bei Humor. Wenn ich einen Witz auf Englisch mache, kommt der nicht so rüber wie in meiner Muttersprache. Humor in einer fremden Sprache ist echt schwierig. Auch jetzt darüber tiefer nachzudenken und zu reden ist seltsam.

Bis Du zuhause also lustiger als hier?
Ich bin ziemlich schlecht in Englisch, das macht es hier schwerer, entsprechend schlagfertig zu sein. Und meine Art von Humor ist der Sarkasmus. Das ist auch nicht so einfach mit Leuten, die einen nicht gut kennen und das vielleicht in den falschen Hals kriegen. Zuhause bei meinen Eltern ist das alles leicht. Wir kennen uns, können das einordnen und man muss nicht groß nachdenken, es fließt einfach zwischen uns. Es ist auch der Humor von meinem Vater.

Als Kind kann man ja mit Ironie und Sarkasmus lange nichts anfangen, schüttet sich aber endlos über total unlustige Witze aus. Hast Du die Erfahrung auch gemacht?
Ja, das stimmt. Man muss erst in Humor hineinwachsen, denke ich, erst Erfahrungen sammeln, auch dazu, was andere auch lustig finden. Anfangs denkst du von dir selbst, dass du lustig bist und stehst damit allein da.

Kannst Du Dich noch an Witze aus der Kindheit erinnern?
Nein. Das ist schon seltsam. Man erzählt sie die ganze Zeit und jetzt sind sie einfach weg. Vielleicht hat man damit aufgehört, nachdem man sie schon zu oft erzählt hat und sie alle schon kannten. Ich merk mir aber jetzt auch keine. Ich lese gern welche, lache drüber, will sie mir merken und kann mich nie erinnern.

Es gibt regelmäßig die Debatte, über was man lachen darf, auch darüber, was Satire alles darf. Wie stehst Du dazu?
Da habe ich noch keine abschließende Meinung. Man kann schnell über Satire lachen, aber in meinem Hinterstübchen frage ich mich trotzdem, ob das die Leute nicht verletzt. Ich fühle mich wohler mit harmlosen Späßen, die nicht zu persönlich werden und Menschen nicht zu nahe treten.

Humor lieber als sprichwörtliche beste Medizin?
Ja, eher so. Dass man durch Lachen für eine Weile die weniger schönen Dinge im Leben vergessen kann, Abstand gewinnen, über was anderes nachdenken kann, so dass sie weniger Gewicht bekommen, dass man Trauriges besser relativieren kann.

Wie ist das auf dem Volleyballfeld – kannst Du beim Spielen auch lustig sein?
Das kommt sehr darauf an, wie es läuft. Wenn man sechs Punkte in Folge verliert, wär es nicht clever, darüber zu witzeln. Dafür nehme ich das Spiel auch zu ernst. Außerdem werde ich zu locker, wenn ich Witze mache, dann verliere ich meinen Fokus. Deshalb bin ich auf dem Feld ernsthaft und habe die nötige Intensität zum Spielen. Und habe trotzdem Spaß dabei und bin glücklich!

Nicole Oude Luttikhuis (1,91 Meter groß, Angriffshöhe 3,12 Meter, Blockhöhe 3,05 Meter) wurde am 26. Dezember 1997 in Harbrinkhoek (Niederlande) geboren. Ihre Volleyball-Karriere begann sie in ihrer Heimatstadt bei VV Krekkers. Als Zwölfjährige kam sie zum Talent Team Papendal nach Arnhem. Im Jahr 2015 wurde sie erstmals in den A-Kader der niederländischen Nationalmannschaft berufen. In dieser Saison gewann sie mit dem niederländischen Erstligisten Almelo den nationalen Pokal. Danach entschied sie sich für den Schritt in die deutsche Volleyball-Bundesliga und holte mit den Ladies in Black Aachen Bronze in der Meisterschaft. Seit aktuellen Saison spielt sie für den SSC.

ssc-intern [kawi]


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