Also griff der Norweger angesichts der Personalnot zum allerletzten Mittel und bot Linda Dörendahl als Außenangreiferin auf. Und die gelernte Zuspielerin und Libera machte ihre Sache überraschend gut: Fast immer, wenn die Not am größten war, machte sie wichtige Punkte und wurde sofür viele zum Matchwinner.

Im ersten Durchgang lag Schwerin schnell mit 9:2 vorn, weil bei Suhl vor allem in der Annahme rein gar nichts funktionierte. Erst als die Mecklenburgerinnen die Zügel etwas schleifen ließen, kam der VfB besser ins Spiel. Bis auf 14:17 kam Suhl noch heran, dann zog Schwerin über 21:16 und 23:17 zum 25:20-Satzgewinn davon.

Gäste nutzten sieben Satzbälle nicht

In Durchgang zwei ein völlig anderes Bild: Auf einmal diktierten die Gäste das Geschehen, Schwerin bekam keinen Ball vernünftig nach vorne. 5:1 führte Suhl, bevor SSC-Trainer Tore Aleksandersen seine erste Auszeit nahm. Die schien zu fruchten, die Gastgeberinnen glichen zum 7:7 aus. Doch nach der ersten technischen Auszeit erhöhte sich die Schweriner Fehlerquote wieder, was die Thüringerinnen gnadenlos ausnutzten. Beim 19:10 für Suhl gab keiner der 700 Zuschauer in der rappelvollen Volleyballhalle noch etwas auf die Heimmannschaft. Aber plötzlich ging ein Ruck durch die Reihen des Tabellenführers. Punkt um Punkt wurde aufgeholt, beim 20:23 schien man auf dem besten Wege, den Ausgleich zu schaffen. Doch dann "schoss" Tatjana Boskovic Schwerins Libero Rie Kato förmlich ab, es hieß 20:24 – vier Satzbälle Suhl. Den ersten aber wehrte Schwerin durch die an diesem Tag Stärkste, Patricia Thormann, ab und es folgte schließlich der Ausgleich. Dann Suhls Satzball Nummer fünf – Angela Kryvarot konterte. Satzball sechs für Suhl – wieder war "Angie" da, die den Angriff genau in die Ecke setzte. Nach einem "Dankeball" von Dörendahl lag der SSC auf einmal selbst vorn, aber Suhl vereitelte die Chance. Nach einem Patzer von Thorkmann die siebte Möglichkeit für den VfB , den Sack zuzubinden, aber "Paty" machte ihren Fehler wieder gut. Dann hatte der SSC beim 29:28 seinerseits den zweiten Satzball – und der saß, verwandelt durch Patricia Thormann.

Erwarteter Einbruch bei Suhl blieb aus

Alles rechnete nun damit, dass der VfB nach sieben vergebenen Satzbällen einbrechen würde, zumal Schwerin in Durchgang drei schnell auf 3:0 davonzog. Aber VfB-Trainer Han Abbing nahm eine Auszeit – und der Wachrüttler zeigte Wirkung. Fortan wogte die Partie hin und her. Erst beim 22:19 konnten sich die Gäste etwas absetzen. Es kam erneut zum 20:24 – und wieder tat sich Suhl schwer mit dem Satzgewinn. Sadowska trat beim Aufschlag über – 21:24, Toller Angriff von Berit Kauffeldt – 22:24. Ein katastrophales Zuspiel auf Rapajic konnte diese nicht verwerten – 23:24. Und erneut schaffte Schwerin den Ausgleich. Diesmal aber ließ sich Suhl die Butter nicht mehr vom Brot nehmen und machte den Satz dicht.

Auch der vierte Durchgang lief über weite Strecken ausgeglichen, aber letztlich hatten die Gastgeberinnen das Glück auf ihrer Seite: Beim Satzball für Schwerin zog Boskovic den Angriff weit ins Aus und der Spitzenreiter hatte gewonnen.

Tore Aleksandersen blieb nicht verborgen, dass die Schweriner Leistung an diesem Abend alles andere als meisterlich war. "Wir haben – außer in der Schlussphase des zweiten Satzes haben nicht gut gespielt. Aber wichtig sind die Punkte, die wir zum Teil mit Glück eingefahren haben."

Morgen ab 14 Uhr tritt der SSC im Pokal in Potsdam an, bevor es am Dienstag zum Spitzenspiel nach Vilsbiburg geht.

Schwerin: Weiß, Kryvarot, Schlüter, Thormann, Kauffeldt, Dörendahl – Kato; Hanke.

Suhl: Krause, Sadovska, Lehmann, Adam-Ilic, Rapajic, Boskovic – Lauerova; Landvoigt.

SR: Heike Kraft (Besigheim bei Stuttgart)/Arne Jann (Pinneberg). Zuschauer: 700. Spieldauer: 106 (26, 30, 24, 26) Minuten.

Weiter spielten: Wiesbaden – NA. Hamburg 3:0 (20, 21, 22); VCO Berlin – USC Münster 1:3 (-12, 23, -23, -24); Sonthofen – Leverkusen 0:3 (-23, -12, -22).

Foto-Herbert Kewitz: Diesmal wird der Angriff von Linda Dörendahl (12) geblockt.