Der Respekt vor dem Gegner ist da. Über dessen Bescheidenheit lächelt Aleksandersen aber: "In Wiesbaden sollte man nicht bei jeder Gelegenheit sagen: Wir haben kein Geld, wir haben keine erfahrene Mannschaft." Dies würden andere in der Bundesliga beim Thema VCW ähnlich sehen: "Wiesbaden hat sieben sehr gute Angreiferinnen. Das gibt es in keiner anderen Mannschaft", sagt Aleksandersen und fügt hinzu: "Wenn sie nur um eine Medaille spielen wollen, ist das untertrieben."

Also muss ein Titel nach Wiesbaden? "So will ich das nicht sagen. Aber der VCW macht schon ein bisschen mehr als nur so mitspielen." Der schnellste Weg zu einem Titel führt – auch für den VCW – über die Pokalrunde. Aleksandersen hat mit dem Schweriner SC den Cup in den vergangenen beiden Jahren geholt, 2006 gar das Double. Vom Pokalfinale vor 10 000 Fans in Halle/Westfalen schwärmt der 39-Jährige: "Der größte Party-Tag im deutschen Volleyball. Da will jeder dabei sein." Dafür bringt er selbst gerne auch ein großes Opfer: "Dafür feiere ich Weihnachten auch alleine." Denn das Halbfinale steigt am 27. und 28. Dezember. Würde – einen Sieg in Wiesbaden vorausgesetzt – für Aleksandersen bedeuten, dass er an den Festtagen nicht zu seiner Frau und seinen drei Kindern in seine Heimatstadt Molde reisen könnte.

Die souveräne Tabellenführung ist für den SSC-Trainer ein Beweis, wie ausgeglichen seine Mannschaft um Nationalteam-Zuspielerin Kathleen Weiß ist. Zumal mit Hanna Torkkeli und Julia Retzlaff zwei Spielerinnen verletzt bis Januar ausfallen. Für Sonntag erwartet Tore Aleksandersen ein heißes Match: "Die Nummer eins gegen die Nummer zwei – die Tabelle lügt nicht."

Von Peter Schneider