Für Dresden endete damit auch der zweite Versuch nach 2006, im GERRY WEBER STADION im ostwestfälischen Halle zu triumphieren, mit einer Niederlage. Der nach der Saison scheidende Trainer Arnd Ludwig, der dann die kanadische Frauen-Nationalmannschaft trainieren wird, sagte: „Vielleicht gelingt es mir, das Pech mitzunehmen, damit es Dresden hier endlich einmal schaffen kann, den Pokal zu holen.”

Immerhin durften sich Ludwig und sein Team damit trösten, für das erste Fünf-Satz-Finale und auch das mit 126 Minuten Spielzeit längste Endspiel der letzten vier Jahre in Halle gesorgt zu haben. Denn nach zwei Sätzen deutete alles auf ein 3:0 für die Roten Raben hin. Dresden schaffte es nie, seine Nervosität abzulegen und leistete sich viele einfache Fehler, auch im Aufschlag. Ludwig: „Wir haben aber auch die Devise ausgegeben, mit vollem Risiko zu schlagen. Sonst kann man gegen Vilsbiburg nicht gewinnen.” Im 2. Satz hatten die Sachsen mit 11:7 die Nase vorn, verspielten aber den Satzgewinn: „Leider haben wir den Sack nicht zu gemacht”, sagte Ludwig.

Zwei Sätze später sah die Welt wieder besser aus, Dresden hatte ausgeglichen und Vilsbiburg schien zu wackeln. Doch der Deutsche Meister 2008 und aktuelle Bundesliga-Spitzenreiter zeigte sich mental stark. „Wir wollten hier unbedingt gewinnen”, sagte Raben-Zuspielerin Nadja Jenzewski, „und haben uns vor dem letzten Satz noch einmal zusammengerissen.” Der Lohn war eine schnelle 5:0 Führung für die Niederbayern. Dresden glich zwar noch zum 10:10 aus, doch mit dem zweiten Matchball zum 15:12 fiel die Entscheidung zu Gunsten der Raben aus. Dresdens Angreiferin Saskia Hippe hatte ihren Aufschlag ins Netz geschlagen. Tröstende Worte fand die Vilsbiburgerin Katja Wühler für ihre beste Freundin Kerstin Tzscherlich, Libero beim DSC: „Für mich ist es einfach nur geil, gewonnen zu haben. Aber ich leide auch mit Kerstin mit.” Sprach’s und drückte ihrer weinenden Freundin einen dicken Kuss auf die Backe.

Fotohinweis: Erstmals deutscher Pokalsieger: Die Roten Raben Vilsbiburg gewannen in Halle/Westfalen des Endspiel gegen den Dresdner SC mit 3:2. Daniela Mapeli Lanner greift an gegen Stefanie Karg. Foto: Tom Schulte

Erster Titel für Haching: 3:1 gegen Moers
Westfalenland in Bayern-Hand: Knapp zwei Stunden nach dem Pokalsieg der Roten Raben Vilsbiburg holte auch Generali Haching im GERRY WEBER STADION in Halle/Westfalen den Titel als Pokalsieger 2009. Gegen den Moerser SC benötigten die Münchner vier Sätze (25:17, 19:25, 25:17, 25:18) in 96 Minuten Spielzeit, um ihren ersten nationalen Titel in der Hachinger Vereinsgeschichte verbuchen zu können. Den dicksten Brocken hatten sie im Halbfinale mit dem VfB Friedrichshafen aus dem Weg geräumt, in Halle konnten sie auch nicht von den Moerser Adlern aufgehalten werden. Angreifer Sebastian Schwarz, dem es vorbehalten den Matchball mit einem wuchtigen Angriffsschlag über die Position vier zu verwandeln, sagte: „Wir hatten uns ganz fest vorgenommen, diesen Sieg zu holen. Hoffentlich ist es der Beginn einer Reihe von vielen Titeln.”

Endspielkontrahent Moers hatte kurzfristig auf Libero Nikola Rosic verzichten müssen, der wegen einer Rückenverletzung nicht antreten konnte. Nach einem deutlichen 17:25 im ersten Satz kam das Team von Trainer Georg Grozer aber besser ins Spiel und holte sich Satz zwei fast ebenso klar. Doch dann setzten sich die Bayern, angetrieben von ihrem flinken Zuspieler Patrick Steuerwald, mächtig in Szene und waren nicht mehr zu stoppen. „Natürlich ist es schwer, ohne Libero zu spielen”, sagte MSC-Zuspieler Roland Rademaker, „aber ich glaube, dass Nikola heute der traurigste Spieler bei uns ist, weil er uns nicht helfen konnte.” Hachings Spielführer Marco Liefke sagte: „Ohne Libero ist ein echtes Handicap, das tut mir leid für die Jungs.” Über die Leistung seines eigenes Teams sagte er: „Wir sind mit großer Zuversicht hier her gekommen und haben bewiesen, dass das nicht nur Glück war.” Sein Trainer Mihai Paduretu freute sich über ein perfekt vorbereitetes Team: „In der ganzen Woche zuvor war nie was von übergroßer Nervosität zu spüren. Ich war überzeugt, dass das heute klappt.”

Für Moers, Pokalsieger 1991 und 1993, war es der dritte erfolglose Auftritt im GERRY WEBER STADION nach 2006 und 2007. Für Haching war es die zweite Finalteilnahme, 2003 hatten die Münchner gegen den VfB Friedrichshafen verloren. Nun sind sie endlich am Ziel, angetrieben von mehr als 1000 Fans aus Süddeutschland. Vilsbiburger und Hachinger Fans hatten sich unter dem Motto „Mia samma dabei” zu einer großen Koalition zusammen geschlossen. Aus Moers waren rund 700 Fans unter den insgesamt 9000 Zuschauern. „So etwas Tolles habe ich in Deutschland noch nicht erlebt”, sagte Patrick Steuerwald. Für Michael Evers, dem Vorsitzenden der Deutschen Volleyball-Liga, ist das Pokalfinale mit den Frauen- und Männer-Teams in Halle eine perfekte Kombination: „Das ist die ideale Bühne für den deutschen Volleyballsport.”