„Immerhin hab ich jetzt schon wieder Knöchel“

9. Oktober 2018
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© Eckhard Mai

Am 18. September verletzte sich SSC-Mittelblockerin und Nationalspielerin Marie Schölzel im Abschlusstraining vor der Reise zur Volleyball-WM in Japan so schwer, dass an eine Weltmeisterschaftsteilnahme nicht mehr zu denken war. Wie es ihr inzwischen geht und wie es um ihre Rückkehr steht, erzählt die 21-Jährige im Interview:

Marie, wie sehr hadert man mit sich selbst, wenn man sich einen Tag vor dem Start zu einer Weltmeisterschaft so heftig verletzt, dass man doch nicht mitfahren kann?
Das ist einfach blöd gelaufen. Aber hadern tue ich nicht, so eine Verletzung ist Berufsrisiko und zu jedem Zeitpunkt schlecht. Es bleibt ja nur, nach vorn zu schauen und zu hoffen, dass es schnell heilt. Es muss weitergehen und es wird weitergehen. Nur Sprüche wie „du bist doch jung, da kommen noch andere WMs“, die helfen nicht.

Was genau war denn eigentlich passiert?
Ich bin, als ich für einen Block die Position gewechselt habe, mit meinem linken Fuß auf dem Fuß der Außenblockerin gelandet und umgeknickt. Ich hab gleich gemerkt, dass es etwas Ernsteres ist, aber noch gehofft, das in den zehn Tagen bis zum ersten Spiel in Japan wieder hinzukriegen. Ich hatte ja schon meinen Sitzplatz im Flieger ausgesucht.

Wie schnell wusstest Du, dass der Traum Weltmeisterschaft aus ist?
Am gleichen Abend wurden noch MRT-Bilder in Frankfurt gemacht. Da hieß es, dass es erst mal nichts mehr wird mit Volleyball. Nach diesem Satz hab ich abgeschaltet und den Rest gar nicht mehr mitbekommen. Zum Glück habe ich da aber gar nicht realisiert, dass der Radiologe auf Basis dieser ersten Bilder meinte, ich kann überhaupt nie wieder Volleyball spielen. Am nächsten Tag wurden noch ein paar Aufnahmen mehr gemacht, da war es klarer. Kurz gesagt, ist am Sprunggelenk so einiges kaputt, und wie lange es nun dauert, kann man schlecht sagen, das ist bei jedem Menschen anders.

Wie wirst Du jetzt behandelt?
Die Ärzte haben eine konservative Behandlung empfohlen, also keine OP, sondern Physiotherapie. Damit habe ich direkt zwei Tage nach dem Umknicken zuhause in Berlin angefangen, am Olympiastützpunkt, bei der Therapeutin, die mich vor fast fünf Jahren schon mal mit einer ähnlichen Verletzung am anderen Bein behandelt hat. Da bin ich jeden Werktag eine Stunde lang. Ich hab auch mit unserem Physio Jens Ziegler über alles gesprochen und habe von unserem Athletiktrainer Micha Döring einen Plan fürs Krafttraining, vor allem für den Oberkörper, aber auch für den Fuß, um alles beweglich zu halten und nicht verkümmern zu lassen.

Und zum Laufen brauchst Du Krücken?
Ja, und ich hab so einen „Skischuh“ am Fuß, erstmal für sechs Wochen. Im Moment darf ich den Fuß nur wenig belasten, maximal mit 20 Kilo. Das hab ich erst mal mit Waage ausgetestet, wie viel das ist. Nach vier Wochen kann es mehr werden bis zur Vollbelastung. Inzwischen kann ich den Fuß selber schon wieder in bisschen bewegen, das ging erst gar nicht, auch weil er so dick war. Immerhin hab ich jetzt schon wieder Knöchel.

Das klingt, als wär zumindest Galgenhumor da…
Nein, das ist einfach Freude. Ich hab ein Talent dafür, dass meine Füße nach Verletzungen richtig dick werden. Bis vor ein paar Tagen gingen nur Jogginghosen, jetzt komm ich schon wieder in eine Tight. Das ist doch ein Fortschritt.

Wie kriegst Du Deine Tage zuhause rum, ohne die Laune zu verlieren?
Meine Eltern, bei denen ich spontan wieder eingezogen bin, und meine Großeltern sind für mich da. Langeweile ist ein Thema, weil ich gar keine Hobbies habe, die man im Sitzen macht. Ich kümmer mich mehr um mein Studium und hab angefangen, mit Oma zu stricken, mache Puzzle und so was. Bisher halte ich mich da ganz gut.

Wann sehen wir Dich denn in Schwerin wieder?
Wenn alle aus Japan zurück sind, muss besprochen werden, wo es die besseren Voraussetzungen für meine Reha gibt. Auf jeden Fall bin ich beim Supercup zum Anfeuern dabei.

Schaffst Du es denn, Dir die Spiele der Nationalmannschaft anzuschauen oder ist das zu hart?
Doch, ich fieber da total mit. Bei dem Spiel gegen Japan, als es immer wieder sehr eng war, bin ich fast von der Physiotherapie-Liege gesprungen vor Aufregung. Aber klar, ich wär schon auch gern dabei und würde gern mithelfen.

Was sagst Du dazu, dass Beta Dumančić jetzt für Deine Position zurückkommt?
Es ist ja klar, dass das Team einen Ersatz für mich braucht, und da ist Beta schon ein Glücksgriff. Es wird natürlich dann nicht einfach für mich, mich wieder zu behaupten. Aber darum mache ich mir jetzt noch keine Sorgen, erst mal muss ich wieder fit werden.

 

ssc-intern [kawi]


© Eckhard Mai

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