Fidelaks Team triumphierte in Europa

30. Mai 2007
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Keiner erinnert sich besser daran als der heutige 64-jährige Gerhard Fidelak, ab 1964 volle drei Jahrzehnte der Damentrainer beim SC Traktor/Schweriner SC.
"Wir waren schon heilfroh gewesen, überhaupt die Vierer-Endrunde im belgischen Eupen erreicht zu haben und fuhren mit dem Auftrag Platz zwei hin“, erzählt Fidelak, der bis 1994 bei insgesamt 80 EC-Spielen an der Seitenlinie stand.
"ZSKA Moskau galt 1975 als unschlagbar, hatte die beiden Jahre zuvor den Cup gewonnen. Obwohl UdSSR-Meister, startete ZSKA bei den Pokalsiegern. Denn nach drei Erfolgen hintereinander wäre die Trophäe für immer nach Moskau gegangen. Doch wir versalzten ihnen die Suppe, gewannen 3:2. Damit hatten wir selbst nicht gerechnet.“ Tags darauf gegen die damals noch schwachen Italienerinnen von Reggio Emilia wurde der Sack zugebunden, der SC Traktor gab da in den drei Sätzen ganze acht (!) Punkte ab.
Drei Jahre später gelang dann im EC-Finale der Landesmeister in Rheine erneut der Gipfelsturm. "Das 3:2 in der entscheidenden Begegnung gegen NIM Budapest war allerdings schwer erkämpft. Doch ich hätte nie gedacht, dass sich der EC-Sieg wiederholen ließe“, so Fidelak. Von seinen Spielerinnen waren immerhin gleich fünf bei beiden Triumphen dabei: Helga Offen, Jutta Balster, Cornelia Rickert, Anke Westendorf und Hannelore Meincke.
Und für den Trainer sollte es sich auch anderweitig lohnen: "1975 bekam ich nach dem EC-Sieg die Zuweisung für eine Vier-Raum-Wohnung auf dem Großen Dreesch. Zuvor wohnten wir mit vier Personen in einer Zwei-Raum in Lankow.“ Fräulein Roffeis gewann EC, Frau Mügge den EM-Titel Im Februar 1978 beim EC-Finale dabei war eine 19-jährige junge Dame: Carla Roffeis. Fünf Jahre später führte die nunmehr verheiratete Frau Mügge die DDR-Auswahl beim EM-Finale in der nagelneuen Rostocker Stadthalle als Kapitän zum legendären 3:2-Sieg gegen die UdSSR, nachdem man bei den Olympischen Spielen 1980 dem gleichen Gegner noch mit 1:3 unterlegen gewesen war.
Karla Mügge selbst kam über die damals vom Klub und von der SVZ initiierte Aktion "Junge Talente gesucht“ zur Kinder- und Jugendsportschule nach Schwerin. Als Untertitel auf dem in der Wessiner Klasse kursierenden Fragebogen stand übrigens: "Wer möchte Olympiasieger werden?“ Als 14-Jährige ging Roffeis 1972 zur KJS nach Schwerin. Gerade 18 geworden, gehörte sie als beste DDR-Juniorin zur Olympia-Auswahl in Montreal, wo Platz sechs heraussprang. Karla Mügge bekannte Jahre nach ihrem Karriereende: "Ich könnte nie Trainer sein. Die dazugehörende Härte wäre für mich nichts. Ich könnte nie so ,fies' sein. Aber der Erfolg gab Fidelak und Grund (DDR-Auswahlcoach d. A.) Recht.“
Und Erfolge heimsten die SCT-Damen ein, auch international: Karla Roffeis (Fünf Tage nach der Olympia-Rückkehr, am 15. August 1980, wurde geheiratet.), Andrea Heim (heute Markus), Anke Westendorf (Maukel) und Martina Schmidt (Schwarz) gewannen 1980 Olympiasilber.
Den erhofften Sieg holten die DDR-Damen, wie gesagt, 1983 vor 3000 Zuschauern in Rostock nach. Man stürzte die Sowjetunion als siebenfacher Europameister in Serie nach 0:2-Satzrückstand noch mit 3:2 vom Thron.
Und noch ein Datum steht dick unterstrichen in den Vor-Wende-Annalen des Schweriner Damenvolleyballs: der 13. Januar 1988. Da kam es zum ersten und einzigen deutsch-deutschen EC-Duell für den SC Traktor. Der CJD Feuerbach gastierte in der Sport- und Kongresshalle und 5000 Zuschauer kamen. "Es war ein Politikum, es stand uns gut zu Gesicht, eine volle Halle zu haben“, denkt Gerhard Fidelek an die alten Zeiten. "Bei sonstigen guten Spielen kamen vielleicht 1000 Zuschauer.“ Da machte sich jeder so seine Gedanken, wie viele wirkliche Fans in der Halle waren und wer von den Betrieben hingeschickt worden war. Schwerin gewann das Prestigeduell mit 3:2, verlor das Rückspiel mit 2:3, kam aber wegen der kleinen Punkte weiter. Wie viel Politik da mit dabei war, bekam "Fidi“ zu hören, als er aus Feuerbach zurückkehrte: "Ihr seid weiter, aber leider mit einer Niederlage.“ Trotz aller Erfolge über die Jahre, welches ist Fidelaks Topmannschaft? Ohne lange zu überlegen, kommt die Antwort: "Das war die Mitte der 70er!“ Schwerin habe auch heute eine gute Damenmannschaft, "aber wir waren damals auch international eine richtige Nummer“.

Erfolge des SC Traktor Schwerin, Volleyball, Damen:
DDR-Meister: 1976, 1977, 1980, 1984
DDR-Pokalsieger: 1981, 1982, 1988, 1990 Europapokal der Landesmeister: Sieg 1978, Dritter 1977 und 1981 EC der Pokalsieger: Sieg 1975, Zweiter 1979 und 1989, Dritter 1988 und 1990

Olympia
1976 in Montreal (6. Platz): Jutta Balster, Hannelore Meincke, Helga Offen, Cornelia Rickert, Anke Westendorf, Gudrun Gärtner, Karla Rofeis 1980 in Moskau (2. Platz): Roffeis, Westendorf, Andrea Heim, Martina Schmidt
1988 in Seoul (5. Platz): Ute Steppin, Dörte Stüdemann

Weltmeisterschaften
von 1962 bis 1990 insgesamt zwölf Schwerinerinnen, sie blieben aber allesamt medaillenlos

EM-Medaillen
1975 (Bronze): Offen, Westendorf, Rickert, Meincke
1977 (Silber): Offen, Westendorf, Rickert
1979 (Silber): Westendorf, Roffeis, Karin Langen
1983 (Gold): Karla Mügge, Ute Oldenburg, Andrea Heim, Martina Schmidt, Catrin Heydrich
1985 (Silber): Oldenburg, Schmidt, Dörte Stüdemann, Petra Zendel
1987 (Gold): Oldenburg, Stüdemann, Anke Lindemann
1989 (Silber): Ute Steppin (Oldenburg), Stüdemann, Christina Schultz, Dörte Krüger
1991 (Bronze): Steppin, Schultz


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