Er lebt Volleyball ’24 Stunden am Tag‘

24. November 2005
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as Tabellenschlusslicht VV Leipzig soll er vor dem Absturz in Liga zwei bewahren. Eine schier unlösbare Aufgabe für Busse, der bisher die 2. Mannschaft des VVL trainiert hat. Die Erstliga-Truppe zeigte zuletzt bei der 1:3-Heimpleite gegen die bis dato sieglose TG Rüsselsheim eine desolate Leistung und rangiert seitdem auf dem letzten Platz. Nach der leblosen Darbietung wurde der bisherige Cheftrainer Zoran Nikolic entlassen.
Der Verein griff auf die interne Lösung zurück und installierte Steffen Busse als neuen Coach. Überrascht war dieser nicht, dass man auf ihn zukam: "Mich hat nur gewundert, dass es erst so spät passiert ist. In der Mannschaft hat es schon länger nicht mehr gestimmt."
Mit Einzelgesprächen will der ehemalige Nationalspieler, dessen Karriere beim Schweriner SC begann und die er dann nach dem "Abstoßen" des Männervolleyballs in der MV-Landeshauptstadt beim VfB Ludwigslust fortsetzte, nun seinen Spielern wieder neues Selbstvertrauen geben, die er für besser hält, als es der Tabellenstand aussagt. Die Konzentration auf wenige Profis und viele junge Spieler, die nebenbei eine Ausbildung machen oder studieren, hat in Leipzig System. Das "Leipziger Modell" will junge, deutsche Spieler ausbilden und behutsam an die 1. Liga heranführen.
Schwerpunkt auf Nachwuchs-Ausbildung
Die Jugendausbildung ist ein Punkt, mit dem sich Steffen Busse voll identifizieren kann. Er selbst stammt aus der Schmiede des Schweriner Jugendtrainers Horst Holz, mit dem er noch gelegentlich telefoniert: "Holz ist ein Vorbild für uns alle", sagt er mit Ehrfurcht.
Nach den Stationen in Mecklenburg war Busse Erstligaspieler in Leipzig, Friedrichshafen und Olsztyn (Polen). Mit dem VfB Friedrichshafen wurde er sogar zweimal deutscher Meister.
Dass es nicht geklappt hat, Profi-Männervolleyball in der Region Schwerin zu etablieren ("Die Wirtschaft hat sich damals eben für die Frauen entschieden."), hat er mittlerweile überwunden. Zumal er Leipzig inzwischen als seine Heimat ansieht und höchstens fünfmal im Jahr seine Eltern in Schwerin besucht.
Vor zwei Jahren musste Steffen Busse schließlich schon mit 28 Jahren seine Karriere wegen Knie- und Rückenproblemen beenden. Trotzdem lebt er weiter Volleyball, von nun an "24 Stunden am Tag". Für seine neue Aufgabe als Chefcoach, die er selbst als "Traumjob" versteht, hat der 30-Jährige sogar seine Arbeit als Finanzberater hinten angestellt. Ein gewisses Risiko sei er schon eingegangen, als er dem Werben des Vereins nachgab.
Ein Abstieg könnte zudem seiner Trainerkarriere enormen Schaden zufügen. Trotzdem gibt sich Steffen Busse optimistisch: "Ich schaffe das, auch wenn ich Fehler machen werde." Sollte es ihm gelingen, nur einen Teil seines Selbstvertrauens auf die Spieler zu übertragen, dürfte die zweite Bundesliga sowieso kein Thema für den VV Leipzig werden.
Christopher Schäfer


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