Die dunklen Wolken über Charleroi waren wohl symbolisch für das deutsche Team bei der Volleyball-Europameisterschaft. Der Traum vom Halbfinale ist ausgeträumt. Gegen den amtierenden Weltmeister Russland konnten die Frauen um Kapitän Angelina Grün nach einem völlig misslungenen ersten Satz in den folgenden Sätzen gut mithalten. In den entscheidenden Phasen waren die Russinnen jedoch clever und durchschlagskräftiger, so dass sie mit einem glatten 3:0 ins Halbfinale einziehen. Margareta Kozuch (15) und Angelina Grün (9) punkteten am häufigsten.

Die Halbfinal- und Finalspiele finden am Wochenende in Luxemburg statt. Deutschland muss sich nach dieser Niederlage nun wieder aufrichten, um gegen die starken Französinnen zu gewinnen. Mit einem Sieg könnten sie – wie die deutschen Herren – Platz 5 bei der diesjährigen EM belegen.
Deutschland begann mit folgender Mannschaft: Weiß, Dumler, Fürst, Grün, Kozuch, Ssuschke und Libera Kerstin Tzscherlich, deren Aufstellung wegen Kniebeschwerden erst kurz vor dem Spiel klar war.

Ausführlicher Spielbericht

Eine 2:0-Führung Deutschlands macht Russland schnell wieder wett, doch die Spielerinnen um Kapitän Angelina Grün halten mit. Erfolgreiche Blocks und Annahmefehler auf beiden Seiten. Russland gehet mit 8:7 in die erste technische Auszeit. Danach schlägt Grüni ins Aus und Sssuschke an die Antenne, wobei auch das Zuspiel ungenau ist. Apitz kommt für Weiß. Beim 10:10 ist der Russische 2-Punkte –Vorsprung wieder ausgeglichen. Nach weiteren drei Punkten in Folge nimmt Bundestrainder Guidetti Auszeit. 10:13. Trotzdem bringen die gewaltigen Angriffe des Gegners Russland zur zweiten technischen Auszeit mit fünf Punkten in Führung. Beim Stand von 11:17 wechselt Guidetti Kathleen Weiß zurück. Bei 11:19 bringt er Heike Beier für Margareta Kozuch. Bei 11:23 schenken die Russinnen der deutschen Mannschaft mit einem Fehlaufschlag. Total entzaubert wechselt die deutsche Mannschaft bei 12:25 die Seiten.

Angelina Grün macht den ersten Punkt im zweiten Satz, indem sie durch den Russischen Block durchschlägt. Conny Dumler punktet aus dem Hinterfeld. Wieder führt Deutschland 2:0, gibt die Führung diesmal aber nicht so schnell wieder her. Kozuch, die wieder im Spiel ist, setzt sich wiederholt durch und auch der Block steht plötzlich. Mit 8:4 gehen die Deutschen in die erste technische Auszeit. Nach drei Russischen Punkten endlich ein deutscher zum 9:7, doch Russland holt weiter auf, verteidigt stark und geht mit 9:11 in Führung. Deutschland bleibt dran. Doppelwechsel Apitz/Brinker für Grün/Weiß. Margareta Kozuch schlägt ein As zum 16:14. Technische Auszeit. Bei 18:17 Rückwechsel beider Spielerinnen, so dass erneut die Zuspielerin hinten ist. Nach einem As von Dumler (mit Hilfe der Netzkante) nimmt Russland bei 20:18 Auszeit. Danach haben auf beiden Seiten die Angreifer Schwierigkeiten, ihre Bälle durchzubringen. Dies gelingt erst wieder Margareta Kozuch zum 22:20. Russland gleicht zum 22:22 aus. Nach deutscher Auszeit beim 22:24 (Guidetti mit dem Zuspiel unzufrieden) machen die deutschen Spielerinnen noch einen Punkt, bevor Godina den zweiten Satzball zum 23:25 für Russland verwandelt.

Auch zu Beginn des dritten Satzes, in dem Kozuch im deutschen Team geblieben und Bouagaa ins Team gekommen ist, bleibt das Spiel offen. Guidetti hält dennoch in der ersten technischen Auszeit (7:8) eine laute Ansprache. Die Fans unterstützen die deutschen Frauen nach Kräften. Denen aber gelingen die Angriffe nicht. Die Russischen Angriffe werden jetzt gefährlicher. Beim 8:12 nimmt Guidetti Auszeit. Drei deutsche Punkte in folge veranlassen Russlands Coach Caprara eine Auszeit zu nehmen. (11:12) Nach zweifachem Führungswechsel geht es mit einem 2-Punkte-Vorsprung für den Weltmeister in die zweite technische Auszeit. Diesen bauen sie auf 15:19 aus. Nach einer Auszeit bringt Guidetti Beier für Dumler, die die Annahme verstärt. Trotz einer Auszeit von Caprara geht Deutschland nach fünf Punkten in Folge mit 20:19 in Führung. Caprara hat Sokolova eine Pause gegönnt , geht trotzdem mit 22:21 in Führung. Bei 22:23 verstärkt Caprara den Block, den Kozuch aber super überspielt. Gleich den ersten Satzball jedoch verwandelt Russland zum 23:25.

Stimmen zum Spiel

Trainer Giovanni Guidetti: „Trotz der Niederlage bin ich stolz auf meine Mannschaft. In zwei Sätzen gegen den Weltmeister 23 Punkten zu machen, ist eine gute Leistung. Ihnen gegenüber haben wir unsere Grenzen, vor allem was die Körpergrößen betrifft. Leider war unsere Annahme heute nicht immer so gut und wenn man gegen Russland nicht eine mindestens gleich gute oder bessere Annahme hat, kann man nicht gewinnen.“

Kathleen Weiß: „Wir waren in bestimmten Situationen nicht clever genug. Wenn man gegen Russland gewinnen will, muss man konstant 100 Prozent oder mehr bringen. Das haben wir nur in bestimmten Phasen geschafft, in denen wir immer wieder herankamen oder in Führung gingen. In den entscheidenden Phasen aber war der Gegner stärker.“

Heike Beier: „Das Problem war, dass wir zu viele Eigenfehler gemacht haben. Die Russinnen haben nicht übermäßig hart, aber sehr platziert aufgeschlagen. Wenn wir ihre Angriffe abwehren konnten, kam das Zuspiel oft nicht mehr genau genug für unseren Angriff. Außerdem sind sie immer mit unseren Mittelblockern mitgegangen und haben deren Angriffe entschärft. Wir konnten viele Bälle nicht tot machen, aber ich habe die Russinnen auch noch nie so stark in der Abwehr gesehen wie heute, als sie immer noch eine Hand am Ball hatten.
Wir sind positiv ins Spiel gegangen und hatten auf einen Sieg gehofft. Ich bin schon traurig, dass der Traum von einer Medaille bei meiner ersten EM nun geplatzt ist.“