"Ein paar Tränen sind schon geflossen und es werden auch wohl noch mehr werden, schließlich haben wir das sportliche Highlight Nr. 1 verpasst", gestand Angelina Grün ehrlich. "Ich denke uns hat in diesem Turnier zum einen die Erfahrung und zum anderen die Konstanz gefehlt. Das muss sich in Zukunft ändern. Wir müssen in Zukunft viel mehr Spiele gegen hochklassige Gegner bestreiten, um daraus zu lernen. Nur dann können wir langfristig auf so ein hohes Level kommen, um Teams wie Russland zu schlagen."

Wie weit das deutsche Team noch von diesem Level entfernt ist, gegen die besten Teams der Welt bestehen zu können, hatte sich im Spiel zuvor gezeigt. "Wir hatten heute keine Chance, Russland war uns in allen Bereichen überlegen. Vielleicht wäre das Spiel anders gelaufen, wenn wir den zweiten Satz für uns entschieden hätten, aber insgesamt muss man sich eingestehen, dass Russland heute auf einem Level höher gespielt hat als wir", analysierte Heike Beier nach der Partie treffend. Schon im ersten Satz zeigte sich der Klassenunterschied auf. Während Russland im Aufschlag Druck machte, im Block und der Feldabwehr hervorragend stand und mit Ekaterina Gamova die überragende Angreiferin des Spiels in ihren Reihen hatte, konnte das deutsche Team in keinem Bereich Akzente setzen. Zwar war beim Team von Coach Giovanni Guidetti der Wille zu erkennen das Spiel für sich entscheiden zu wollen, aber das allein reichte gegen einen sehr starken Weltmeister nicht aus, 25-15 ging der erste Durchgang an Russland.

Den zweiten Satz konnte das deutsche Team vor den 5400 Zuschauern im GERRY WEBER STADION lange offen halten, dennoch endete auch dieser Durchgang wie der Erste. Den längsten Ballwechsel des Spiels beendete Gamova mit einem erfolgreichen Hinterfeldangriff, 25-23.

Auch wenn Giovanni Guidetti mit mehreren Wechsel noch einmal alles versuchte, dass Spiel zu wenden, gelang dies nicht mehr. Mit einer schnellen 8-2-Führung schaffte Russland die Grundlage für den Satzgewinn. Am Ende ging auch der dritte Durchgang, mit 25-17, an den Weltmeister, der damit völlig verdient ins Finale, heute ab 15:30 Uhr gegen Polen, einzog. "Es war ein perfektes Spiel des russischen Teams, dazu kann man sie nur beglückwünschen. Wir dagegen hatten extreme Probleme. Unser Aufschlag war viel zu schwach, unser Block war praktisch nicht vorhanden und zudem haben wir Russland eigentlich nie richtig unter Druck setzen können", bilanzierte Guidetti nach dem Spiel. Auf die anschließenden Fragen der Medienvertreter, was man für Schlüsse aus diesem ‚Scheitern‘ ziehen müsste und wie jetzt die Zukunft des Teams aussehe, versuchte der deutsche Coach so gut es ging einzugehen – aber eine gewisse Ratlosigkeit blieb auf allen Seiten. Nur eins konnte Guidetti klar sagen: "Ich habe in der Zukunft noch viele Ziele als deutscher Coach und ich werde alles geben, diesen zu erreichen."