„Ein Auge lacht, das andere weint sehr“

24. April 2020
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© Florian Seubert

Schweren Herzen nimmt Denise Hanke, Zuspielerin und Kapitänin des SSC Palmberg Schwerin, Abschied vom Volleyballleben. 20 Jahre lang hat sie ihren Sport betrieben, elf davon in Schwerin, mit dem SSC sechs Meistertitel, drei Pokalsiege, drei Supercups und diverse Top-Platzierungen im Europapokal geholt, insgesamt 390 Mal in Gelb-Blau auf dem Feld gestanden. Zu gern hätte sie ihre Karriere mit dem siebten Meistertitel und einer Abschiedssause in der PALMBERG ARENA abgeschlossen – Corona hat das verhindert. Im Interview erzählt die 30-Jährige, wie sehr sie deshalb mit dem Abschied gehadert hat, welche Pläne jetzt anstehen und was ihr aus zwei Jahrzehnten Volleyball vor allem in Erinnerung bleiben wird:

Denise, Dein Karriereende nach dieser Saison hattest Du für Dich schon länger im Kopf. Wie hattest Du es Dir eigentlich vorgestellt?
Der Plan war, mit dem besten Team, das ich je hatte und das mir echt so ans Herz gewachsen ist, noch einmal Meister zu werden und dann zu gehen, wenn es am schönsten ist. Ich wollte das Ende mit diesem Team feiern. Dass das dann plötzlich nicht mehr möglich war, hat mich noch einmal heftig ins Wanken gebracht, ob ich wirklich so gehen kann und will. Ich hab wochenlang mit mir selber diskutiert und manchmal stündlich meine Meinung geändert. Am Ende war es aber kein klares Ja mehr zum Volleyball, ich bin glücklicher mit der Perspektive, etwas Neues anzufangen. Ein Auge lacht, das andere weint sehr, weil es eine so tolle, lange Zeit war. Es fühlt sich echt blöd an, so zu gehen, aber ich hoffe, man kann meine Entscheidung verstehen. Und dass wir den Abschied nachholen können. Auch für die Fans, denen ich unglaublich dankbar bin für ihre Unterstützung all die Jahre. Es war immer ein Fest, in der PALMBERG ARENA zu spielen und auch auswärts auf ihre Unterstützung zählen zu können.

Gibt es denn Pläne für einen richtigen, standesgemäßen Abschied?
Ich wünsche mir, dass wir im Sommer 2021 alle noch mal in diesem Team zusammenkommen und ein Abschiedsspiel spielen. Der SSC will sich auf jeden Fall dafür einsetzen. Ich werde das den Mädels auch jetzt schon mal mitgeben.

Heißt das, Du wirst in irgendeiner Form weiter Volleyball spielen?
Nein. Ich werde mich natürlich fithalten und ich werde weiter meine Nase beim SSC reinstecken und zu den Spielen kommen. Aber ich habe, jedenfalls Stand jetzt, nicht vor, in einer Hobbymannschaft oder so zu spielen. Ich werde mit meinem neuen Job und meinem Studium auch so erst einmal genug zu tun haben.

Erzähl mal – was erwartet Dich jetzt im zivilen Leben?
Ich habe das super Angebot bekommen, bei den HELIOS Kliniken Leiterin des betrieblichen Gesundheitsmanagements zu werden. Das reizt mich sehr, auch wenn ich natürlich Respekt vor der neuen Aufgabe habe. Parallel habe ich gerade ein Master-Fernstudium Prävention, Sporttherapie und Gesundheitsmanagement angefangen. Das passt alles perfekt, nicht zuletzt, weil ich dadurch in Schwerin bleiben kann. Das war mir wichtig.

Hast Du Deine Karriere für Dich jetzt schon mal in Ruhe Revue passieren lassen? Was sticht da an Höhepunkten heraus?
Der Gesamtrückblick ist echt noch schwierig, ich hab es selbst auch noch gar nicht richtig realisiert. Allein, was daraus geworden ist, dass ich irgendwann mal zum Kiddietraining gegangen bin, ohne irgendwelche Träume von Nationalmannschaft oder Profisport, damit hätte bei mir zuhause im Leben keiner gerechnet. Aber klar, der erste Meistertitel war übelst schön, das war 2009 noch in der alten Halle. Überhaupt Meister zuhause werden ist riesig, noch schöner als Pokalfinale vor großen Kulissen. Die EM 2013, als wir vor heimischem Publikum ins Finale eingezogen sind, auch wenn es dort nicht mit dem Sieg geklappt hat, war definitiv ein Highlight. Die Double-Jahre 2012 und 2013 mit dem SSC, mit meiner ersten Champions League, waren cool. Die ganze letzte Saison war auch besonders. Da musste ich zum ersten Mal in meinem Leben nach einer Verletzung darum kämpfen, den Anschluss zu behalten. Dann gab’s noch die Olympiaqualifikation. Vor allem aber war es das tolle Team, das aus dem Vorjahr mehr oder weniger zusammengeblieben war und das gemeinsam noch mal Meister werden wollte. Das war so eine besondere Truppe, so eine harmonische Mannschaft, in der Form hatte ich das vorher noch nie, das war ein absolutes Highlight zum Schluss. Die Mädels werde ich unglaublich vermissen.

Gibt es auch etwas, was Du in 20 Jahren Volleyball bereust?
Nein. Nicht mal die schwierigen Auslandsjahre in der Türkei und Polen, auch die haben mich geprägt. Da habe ich zum Beispiel eine ganz andere Schnelligkeit im Spiel gelernt. Und, das ist einfach so, sie haben mir auch finanzielle Sicherheit gegeben. Dafür bin ich dankbar.

Was hat es konkret für Dich bedeutet, Zuspielerin zu sein? Was steckt in dieser Position an Aufgaben?
Ganz viel. Das ist die Schlüsselposition, du bist für sehr, sehr viel verantwortlich, hängst überall drin, hast keine Wahl, musst immer zum Ball, bist immer das Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft, musst am besten Bescheid wissen, wie es läuft und wo es hakt. Diese Verantwortung ist mir nie schwergefallen, das entspricht schon auch meinem Wesen. Es dauert aber seine Weile, bis man das ganze Spiel wirklich versteht und lesen kann, bis man weiß, wie es funktioniert. Bis dahin ist es gut, wenn man als Zuspieler seine Richtlinie bekommt, aber dann brauchst du auch Freiheiten. Felix als Trainer hat mich viel machen lassen, das war wichtig für mich.

Apropos Trainer: Da haben Dich über die Jahre große Namen begleitet. Vor Felix Koslowski Tore Aleksandersen, Teun Buijs und Giovanni Guidetti als Bundestrainer. Gibt es jemanden, der Dich besonders geprägt hat?
Das ist schwer. Jeder Trainer will einen ja immer nur besser machen, jeder hat seinen Einfluss. Die Grundlagen wurden sicher in der Jugend bei meinem Heimatverein Berlin Brandenburger Sportclub gelegt, dem ist zu danken, dass ich überhaupt mental auf den Profisport eingeschwenkt bin. Dann kam die Zeit beim VCO, das war sehr charakterformend. Deutschland kann sich glücklich schätzen, so ein System für die Jugendarbeit zu haben. Aber Felix war schon ein Riesenmeilenstein, allein, weil wir so lange zusammen gearbeitet haben, ab 2007 als Co-Trainer beim SSC und auch der Natio, dann ab 2015 als Chef- und Bundestrainer. Aber auch, weil ich Felix‘ Art, nicht immer alles auf die autoritärste Schiene zu machen, sehr schätze. Es formt dich auch, wenn du merkst, dass deine Meinung für jemanden zählt, sonst wäre ich nicht die Spielerin geworden, die ich jetzt bin. Das war ein super Zusammenspiel, wir haben uns vertraut und uns immer offen die Meinung gesagt. Ich hoffe doch, dass wir dadurch die eine oder andere Mannschaft positiv führen konnten. Felix war auch megageschockt, als ich gesagt habe, dass ich nicht weitermache, wir haben uns heulend in den Armen gelegen. Aber ich bin natürlich da, wenn man mich braucht. Nicht mehr auf dem Feld, und daran muss ich mich dann auch erst gewöhnen. Aber immer gern von außerhalb.


Liebe Denise,

wir sagen DANKE DANKE DANKE für elf Saisons in Gelb-Blau, für Titel und Pokale, für Hammeraufschläge und zweite Bälle mit links genauso wie für Deine offene, positive Art! Wir werden Dich unglaublich vermissen und freuen uns sehr darauf, Dich so oft es geht in der PALMBERG ARENA zu sehen!

Bleib gesund, hab viel Spaß und Erfolg in Deinem neuen Job und bis bald!

ssc-intern [kawi]


© Eckhard Mai

© Eckhard Mai

© Florian Seubert

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