DVL-Presseservice: Interview mit Lenka Dürr (Rote Raben Vilsbiburg) zum Pokalfinale gegen Schwerin – „Es wird ein Spiel auf Augenhöhe”

19. Januar 2012
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Frau Dürr, nach 15 Bundesligaspielen grüßen die Roten Raben Vilsbiburg von der Tabellenspitze. War das so zu erwarten?

Ich denke, erst einmal nicht. Wir sind schon davon ausgegangen, dass wir oben mitspielen. Aber mit Schwerin, Dresden oder Stuttgart gibt es andere gute und ambitionierte Mannschaften. Dass wir jetzt an der Tabellenspitze stehen, war nicht zu erwarten, da wir auch einige neue Spielerinnen einbauen mussten.

 

Die gute Position ist umso bemerkenswerter, da ihr Verein Verletzungspech hat und hatte bereits mehrere Ausfälle verkraften musste. Wie kompensiert das die Mannschaft?

Wenn sich jemand verletzt, versuchen die Mannschaft und das Umfeld noch ein paar Prozente drauf zu legen, um den Ausfall zu kompensieren. Und ansonsten reagieren wir, in dem wir die Kaderstärke von zwölf Spielerinnen mit unseren jüngeren Spielerinnen, die zusätzlich ein Doppelspielrecht in der 2. Bundesliga haben, beizubehalten.

 

Sie sind erst 21 Jahre alt, haben aber schon viele Titel und Medaillen gewonnen: Juniorinnen-Weltmeister, Jugend-Europameister, Deutscher Meister, Pokalsieger, EM-Zweiter. Gibt es ein Erfolgsrezept?

Eine schwierige Frage. Eigentlich nicht so wirklich. Man will immer weiter im Sport von der Jugend zu den Juniorinnen und dann zu den Frauen. Ich habe mir immer Zwischenziele gesetzt, auf die ich hingearbeitet habe. Das ist die Motivation, die einen antreibt. Zunächst dabei zu sein und dann auch durch eigene Spielanteile Erfolg zu haben. Es wird auf jeden Fall niemals langweilig.

 

Im DVV-Pokalfinale in Halle/Westfalen geht es gegen den Dauer-Rivalen Schweriner SC. Im Hinspiel siegten sie souverän 3:1, am 18. Februar, also zwei Wochen vor dem Showdown, folgt das Rückspiel. Auf was können sich die Zuschauer im GERRY WEBER STADION bei dieser Spiel-Konstellation freuen?

Es wird ein sehr, sehr enges Spiel. Schwerin und auch wir bereiten uns auf diesen Höhepunkt sehr gut vor. Schwerin war auch in der vergangenen Saison extrem fit am Ende der Saison. Es wird ein Spiel auf Augenhöhe, es wird für kein Team leicht, das andere zu besiegen.

 

Beide Teams waren schon in Halle, beide konnten dort schon gewinnen. Wer ist Favorit, was entscheidet am 4. März?

Derjenige, der die Nerven behält und das Team, das am 4. März fitter ist. Ich denke, es spielt auch eine Rolle, wer die Umstände für sich nutzen kann. Es wird auf jeden Fall hoch spannend für die Zuschauer, die Chancen stehen 50:50.

Bei Vilsbiburg spielen sie Libero, bei Schwerin ihre Nationalmannschafts-Kollegin Lisa Thomsen. Wie wichtig ist der Libero im heutigen Volleyball?

Ich würde meine Position schon als sehr wichtig einstufen. Das ist eine Rolle, die sich im Laufe der Zeit sehr bewährt hat. Ein Spezialist, der sehr gut in Annahme und Abwehr ist und die großen Mittelblockerinnen entlastet. Es ist gut, dass diese hinten die Pause haben, weil die Arbeit am Netz mit zahlreichen Sprüngen ein ordentliches Pensum bedeutet.

 

Auch im Frauenbereich wird immer härter angegriffen und aufgeschlagen. Kriegt man da bisweilen keine Angst?

Nein, vielleicht mal vor so großen Spielerinnen wie Ekaterina Gamova mit ihren 2,02 Metern. Da kann es mal passieren, dass man abgeschossen wird. Aber der Ball bleibt rund und die Spielerinnen Menschen. Insgesamt passt man sich recht schnell dem Spielniveau an.

 

Stichwort Nationalmannschaft: Seit 1998 ist Kerstin Tzscherlich Libero der DVV-Frauen. Beim World Cup, der ersten Olympia-Qualifikationsmöglichkeit für London 2012, hatten sie so viele Spielanteile wie nie zuvor. Kündigt sich da ein Generationenwechsel auf der Libero-Position an?

Ich hoffe natürlich, dass ich ein wenig im Blickfeld bin. Ich scharre mit den Hufen, weiß aber auch um meine aktuelle Position.

 

Sie sind jetzt im sechsten Jahr in Vilsbiburg. Haben Sie schon einmal daran gedacht, sich zu verändern?

Ja, natürlich blickt man auch in die Zukunft und weiß, dass man nicht ewig in einem Verein bleiben kann, wenn man sich weiterentwickeln möchte. Aber ich fühle mich in Vilsbiburg wohl, bin sportlich und menschlich gewachsen. Vilsbiburg ist für mich eine Heimat geworden. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen.

 

DVV-Pokal, Meisterschaft und Olympische Spiele. 2012 könnte das Jahr von Lenka Dürr werden… Klingt gut! Im Pokal und in der Meisterschaft haben wir ein Wörtchen mitzureden und Chancen, beide Titel zu holen. Und 2012 schon bei den Olympischen Spielen dabei zu sein, wäre natürlich phänomenal, das wäre überragend. Allerdings ist zum einen die Qualifikation für London schwierig und zum anderen muss ich natürlich auch die Nominierung durch den Bundestrainer abwarten.

 

 

Medieninformation | Deutsche Volleyball-Liga | 19. Januar 2012
Ullrich Kroemer


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