Dachte man in der Begegnung mit dem Tabellenachten schon an die schwierige Pokalpartie? "Sicher nicht bewusst. Aber im Hinterkopf kann das schon gewesen sein", gab SSC-Kapitän Kathleen Weiß zu. Die Zuspielerin war aber auch so ehrlich und fasste sich selbst an die Nase: "Ich habe sicher nicht meine beste Leistung abgeliefert", so die 23-Jährige, die gegen Wiesbaden mit ihren sechs verschlagenen Aufgaben zu der überaus hohen Quote von 20 Aufschlagfehlern beitrug. In allen Bereichen konnten die SSC-Damen nicht ihre Leistung abrufen. Die eigentliche Mittelblockerin Patricia Thormann, die bislang in dieser Saison auf Diagonal spielt, zeigte auch nicht gerade – wie alle ihre Teamkolleginnen – ihre beste Form. "Das kann sicher mal passieren, aber nicht bei einem solchen Spiel in Wiesbaden, wo es um sehr viel ging", so Patricia, die selbstkritisch ihre Fehler in Annahme, Block und Angriff nannte. Der 28-Jährigen war die große Enttäuschung noch gestern anzumerken: "Was mich am meisten ärgert, ist eigentlich, dass Wiesbaden so unmotiviert aussah, wenn du in deren Gesichter gesehen hast. Ich denke, wir waren wesentlich emotionaler. Aber letztendlich sind wir dann im vierten und fünften Satz nicht gegen die Niederlage angegangen." Für Kathleen war "speziell der zweite Satz ärgerlich. Wenn wir den gewonnen hätten… Es sind im Volleyball nur die Kleinigkeiten, die entscheiden." In Durchgang zwei konnte der SSC fünf Satzbälle! nicht nutzen und verlor diesen mit 29:31.

Ein großes Ziel, Anfang März wieder im Gerry-Weber-Stadion im Pokalfinale zu stehen, ist verpasst. "Jetzt haben wir nur noch ein Ziel. Wir sollten nicht vergessen, dass wir immer noch Tabellenführer in der Bundesliga sind", so Patricia Thormann. Und Kathleen schaut auch schon nach vorn: "Im Vordergrund stehen jetzt bis zur Liga-Pause noch die beiden Auswärtsspiele in Leverkusen und beim VCO Berlin. Ich denke, jeder weiß, woran es bei ihm hapert. Wir müssen einfach unseren Rhythmus wiederfinden."

Beide führten zwar die Verletztenmisere ihrer Mannschaft und dadurch häufige Umstellungen ins Feld, aber als Entschuldigung wollten sie diese Umstände für die beiden Niederlagen nicht gelten lassen. Die 23-Jährige und die 28-Jährige waren gestern ausführlich gesprächsbereit. Tina Gollan hingegen ließ sich nur entlocken: "Ich mag dazu nichts sagen. Ich bin einfach enttäuscht und traurig." Sicher auch über ihre eigene Leistung. Andere erfahrene Spielerinnen hingegen gingen gestern erst gar nicht ans Telefon und hüllten sich lieber in Schweigen. Sie werden schon wissen warum.