Kathleen, hattest Du heute Nacht Albträume?

Kathleen Weiß: „Ne, so schlimm war es nicht, aber gut einschlafen konnte ich auch nicht.“

Wie lange hat Dich denn das Spiel gegen Polen in Gedanken noch beschäftigt?

Kathleen Weiß: „Oh, das waren doch noch einigen Minuten, die ich wach gelegen habe wo ich über die ein oder andere Situation des Spiels nachdenken musste.“

Am meisten an die Situation Ende des vierten Satzes, von der vielen sagen, das hätte das Spiel entschieden?

Kathleen Weiß: „Ja, daran musst ich schon verstärkt denken. Und ich bin auch der Meinung, dass die Entscheidungen des Schiedsrichters nicht unbedeutend waren. Bis dahin liegt Polen nur 20:18 vorn, da ist noch alles drin. Aber nach den Urteilen des Schiris steht es dann 23:18 und der vierte Satz ist weg.“

Aber dann blieb ja immerhin noch der fünfte Satz, wo ihr doch auch genau die gleichen Chancen hattet das Spiel noch zu gewinnen, oder?

Kathleen Weiß: „Ja und Nein! Im Entscheidungssatz haben beide Teams eigentlich die gleichen Chancen zu gewinnen. Aber wenn man kurz vorher solche Entscheidungen hin nehmen musste wie wir, dann geht das auch nicht spurlos an einem vorbei. Da hatte das polnische Team dann schon Vorteile.“

Und die Stimmung im Team war nach dem Spiel dementsprechend?

Kathleen Weiß: „Erst mal waren wir alle natürlich sehr enttäuscht, denn wir haben ja nicht nur über weite Strecken der Partie gut gespielt, sondern haben Polen sogar phasenweise dominiert. Und wenn Du dann das Spiel trotzdem noch verlierst, ist das schon bitter. Aber trotz der Niederlage hat sich an der Ausgangslage für uns ja nicht viel geändert. Wenn man es positiv sagen will, haben wir das einzige Spiel was wir verlieren durften jetzt verloren und nun müssen wir halt alle anderen Begegnungen gewinnen. Am Freitag gegen die Niederlande fangen wir damit an!“

An der Ausgangslage hat sich sicherlich nichts entscheidendes geändert, aber Druck ist doch dafür jetzt enorm gestiegen, oder?

Kathleen Weiß: „Das stimmt! Der Druck ist natürlich jetzt enorm, aber nicht nur für uns. Die Niederländerinnen haben ja die gleiche Ausgangslage wie wir, sie müssen auch unbedingt gewinnen. Vielleicht ist das niederländische Team sogar noch mehr unter Druck als wir. Man muss ja mal die Ausgangslage betrachten. Die trainieren seit zwei Jahren zusammen, wir sind in dieser Formation gerade mal zwei Wochen zusammen. Deswegen glaube ich, dass auf denen noch mehr Erfolgsdruck lastet.“

Sind aufgrund dieser Ausgangslage die Niederländerinnen Favorit für das Spiel?

Kathleen Weiß: „Ich glaube die Chancen stehen 50 zu 50. Aber eigentlich ist das auch völlig unerheblich, entscheidend ist wie wir am Freitag spielen. Wenn wir so spielen wie bis zur Mitte des vierten Satzes gegen Polen haben wir jedenfalls sehr gute Chancen das Halbfinale zu erreichen.“

Aber es ist doch gut möglich, dass ihr gegen die Niederländerinnen auch wieder in den fünften Satz müsst. Ist dann nicht vor allem eine konstante Leistung wichtig?

Kathleen Weiß: „Das stimmt. Es reicht halt in einem langen Match nicht, nur bis Mitte des vierten Satzes gut zu spielen, am Ende verlierst Du dann trotzdem – das haben wir ja leider gegen Polen gesehen. Gegen die Niederlande müssen wir unbedingt konstant gut spielen.“

'Spielen' ist das Stichwort. Das tust Du in diesem Turnier bislang sehr wenig, womit Du doch nicht zufrieden sein kannst, oder?

Kathleen Weiß: „Klar freue ich mich über diese Situation nicht. Dafür bin ich zu sehr Leistungssportlerin, dass ich damit zufrieden wäre nicht in der ersten Sechs zu spielen. Aber man muss dabei auch zwei andere Dinge sehen. Zum einen haben wir ein sehr starkes, ausgeglichenes Team, in dem nur sehr wenige Spielerinnen ihrem Stammplatz sicher haben. Und zum andern zählt bei diesem Turnier nicht wer spielt, sondern dass wir die Qualifikation schaffen. Und wenn mir vor dem Turnier jemand angeboten hätte, dass wir das hier das Ticket für Peking lösen und ich dafür gar nicht spiele, hätte ich das Angebot sofort angenommen.“

Aber es könnte ja auch die Variante geben, dass ihr euch qualifiziert und Du dabei tatkräftig mit hilfst, oder?

Kathleen Weiß: (Schmunzelt) „Das stimmt natürlich und ich werde, wie alle aus unserem Team, alles geben, dass wir die Qualifikation schaffen!“