5000 Teile gegen die Langeweile

13. April 2020
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© Eckhard Mai

Im Hintergrund rumpelt der Einkaufswagen, später piept die Kasse: Marie Schölzel ist grad einkaufen, aber verschieben will sie das Telefonat nicht – „später muss ich noch was für die Uni machen“, sagt die Mittelblockerin des SSC Palmberg Schwerin. Das wird die 22-Jährige auch 2020/21 bleiben: Die Nationalspielerin hat für ihre sechste Saison in Schwerin verlängert.

„Das freut uns total“, sagt SSC-Chefcoach Felix Koslowski. „Marie ist 2015 ganz jung vom VCO Berlin zu uns gekommen und ein Paradebeispiel, wie eine perfekte Entwicklung beim SSC aussehen kann, ist hier von der Reservistin in der Junioren-Nationalmannschaft zur Stammspielerin der Schmetterlinge gewachsen und gereift. Auch bei uns im Team hat sie sich nach ihrer Verletzung 2018 unglaublich stark zurückgearbeitet und ist trotz der hohen Konkurrenz zur Stammspielerin avanciert und enorm wichtig für uns.“

Dass sie ihre Stärken vor dem Beginn der nächsten Bundesligasaison noch mal unter Beweis stellen kann, hält die Mittelblockerin momentan zumindest für sehr fragwürdig. „Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass international noch was passiert, hoffe aber sehr, dass wir nächste Saison wieder normal anfangen können, hoffentlich auch mit Zuschauern.“

Bis dahin heißt es vor allem: die Langeweile bezwingen, die seit dem Aus der Volleyballsaison vor mehr als einem Monat wächst. „Diese lange freie Zeit ist eine total neue Erfahrung. Wenn man sonst im Dauerstress ist, sind ein paar freie Tage zuhause immer schön und entspannend. Aber dann hört das auch auf. Wir verstehen alle, dass die Regeln und Maßnahmen jetzt wichtig sind, halten uns dran und hoffen, dass es was bringt“, betont sie. „Das heißt aber nicht, dass es mir auch gefällt.“ Ihre Strategie, mit der unwillkommenen Ausnahmesituation umzugehen: sich daran zu freuen, zuhause mit Eltern und Schwester in Berlin sein zu können, eine Tagesstruktur zu schaffen, täglich kleine Ziele setzen – wie etwas fürs Wirtschaftsinformatik-Fernstudium zu tun. „Ich brauch Ziele, um motiviert zu sein. Wenn man nicht weiß, was passiert, fällt es schwer, die Motivation auf Dauer aufrechtzuerhalten.“ Auch am Trainingsplan von Athletiktrainer Michael Döring wird natürlich gearbeitet. „Das ist aber alles nicht das gleiche wie sonst im Kraftraum und in der Halle. Ich hoffe sehr, dass wir vielleicht bald wieder in kleinen Gruppen zusammen in Schwerin trainieren können.“

Auch wichtig: Jeden Tag etwas tun, was Spaß macht. Zum Beispiel, wie schon 2018 in der Zwangspause nach ihrer Fußgelenksverletzung, puzzeln mit Schwester Anne. „Wir haben uns grad ein 5000-Teile-Puzzle von Disney vorgenommen, wegen Herausforderung und so…“

Lass Dich nicht unterkriegen, bleib gesund und hoffentlich auf ein baldiges Wiedersehen in Schwerin!

ssc-intern [kawi]


© Ecki Raff

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