1:3-Niederlage gegen Verfolger Schwerin

11. Dezember 2005
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Eigentlich waren die Zutaten für ein rauschendes Volleyballfest bereitet: In sportlicher Hinsicht erwarteten die Roten Raben als Tabellenführer den Tabellenzweiten Schweriner SC. In gesellschaftlicher Hinsicht hatte die VR-Bank als Spielvermarkter für ein ein tolles Rahmenprogramm gesorgt: Das Theatro Artistico zeigte artistische Glanzleistungen auf höchstem Niveau. 1345 Zuschauer füllten die Vilsbiburger Vilstalhalle und erhofften ein gutes und vor allem spannendes Spiel. Zumindest von dem Rahmenprogramm konnten sie dann begeistert sein. Die Roten Raben haben es leider nicht geschafft, Verfolger Schwerin auf Distanz zu halten. Mit 1:3 (20:25/31:33/25:21/15:25) unterlagen sie in der heimischen Vilstalhalle. Einziger Trost ist, dass sich die Raben trotzdem die Herbstmeisterschaft gesichert haben. Eine Platzierung, die zu Beginn der Saison auch nicht unbedingt zu erwarten war.
Bei den vergangenen vier Begegnungen gegen den Schweriner SC hieß der Sieger immer: Rote Raben Vilsbiburg. Beide Teams lieferten sich packende Spiele auf höchstem Niveau und in der vergangenen Saison waren die Raben stets einen Tick cleverer. Ähnlich wie beim Spiel gegen den VfB Suhl konnten sich die Zuschauer am Samstag Abend in der Vilstalhalle aber auch gegen Schwerin nicht des Eindrucks erwehren, dass das Raben-Team gehemmt wirkte und seine Spielstärke nicht aufs Spielfeld bringen konnte. Das zeigte sich bereits im ersten Satz. Die Aktionen der Roten Raben waren zerfahren und durchsichtig. Ganz anders beim Schweriner SC. Angetrieben von Sylvia Roll und Tina Gollan fanden sie immer wieder die Lücke im Raben-Block und hatte so immer drei bis vier Punkte Vorsprung. Nach 23 Minuten waren es dann sogar fünf Punkte und der Satz ging mit 25:20 an die Gäste aus Schwerin.
Spannend wurde es im zweiten Satz. Immer wieder wechselte die Führung, keiner Mannschaft gelang es, sich klar ab zu setzen. Die Raben schafften es – trotz sechs Satzbällen – nicht, den Satz für sich zu entscheiden; und nach 29 Minuten hieß es dann 33:31 für Schwerin. Wer weiß, wie das Spiel verlaufen wäre, wenn die Raben hier das glücklichere Ende für sich gehabt hätten. So mussten sie aber einem 0:2-Satzrückstand hinterher laufen. Doch mit gehörig Wut im Bauch, Traben-Trainer Michael Schöps fand in der kurzen Satzpause wohl auch die richtigen Worte zur Motivation, gingen die Raben in den dritten Satz und ließen hier endlich ihre Klasse aufblitzen. Endlich zeigten sie, wer eigentlich „Herr im Hause“ ist. Nach 22 Minuten siegten sie mit 25:21 und verkürzten auf 1:2. Leider schafften sie es aber nicht, den Schwung des dritten Satzes mit in den nächsten zu nehmen. Wieder zeigten sich die Gäste aus Schwerin wacher und engagierter. Sie diktierten das Spielgeschehen und ließen die Raben überhaupt nicht ins Spiel kommen. Die Roten Raben verkrampften immer mehr und schafften es nicht mehr, dem Spiel eine Wende zu geben. Nur 19 Minuten dauerte es, bis Schwerin den Satz mit 25:15 und das Spiel mit 3:1 unter Dach und Fach hatte. Groß war der Jubel der SSC-Spielerinnen und Sylvia Roll meinte bei der anschließenden Pressekonferenz, sie seien froh, dass sie das Spiel nach Hause gebracht hätten, denn sie hatten nicht mit einem Sieg gerechnet. Ähnlich äußerte sich Schwerins Trainer Tore Aleksandersen. Er bescheinigte seiner Mannschaft, dass sie sehr konzentriert gespielt habe. Zudem sei er nach den vier 2:3-Niederlagen gegen Vilsbiburg extrem glücklich über diesen Sieg.
Die Enttäuschung war natürlich auf Vilsbiburger Seite zu spüren. Verena Veh sagte, es sei bedauerlich, dass sie es nicht geschafft hätten, das Spiel auf konstant hohem Niveau durch zu ziehen. Raben-Trainer Michael Schöps kritisierte, dass seine Mannschaft zu wenig Aggressivität gezeigt hatte. Erst im zweiten Satz sei sie über den Kampf ins Spiel gekommen. Allerdings habe während des gesamten Spiels weniger geklappt, als eigentlich geplant gewesen sei. Den Gästen aus Schwerin bescheinigte er einen enorm hohen Siegeswillen.
Fast wehmütig wurde die Stimmung anschließend in der Vilstalhalle. Nach ihrem kurzen Intermezzo bei den Roten Raben kehrt „Micki“ Dömeland wieder in ihre Heimat Dresden zurück. Raben-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung-Kronseder und der Vereinsvorsitzende Harald Giglberger meinten übereinstimmend, dass es nicht alltäglich sei, dass eine Sportlerin, die ihre aktive Karriere bereits an den Nagel gehängt hatte und ein acht Monate altes Baby hat, einem Ligakonkurrenten aushilft. Harald Giglberger: „Für mich ist „Micki“ Dömeland die Sportlerin des Jahres.“ Mit viel Applaus verabschiedete das Vilsbiburger Publikum die symphatische Dresdnerin, die gerührt meinte, dass sie gerade das familäre Umfeld in Vilsbiburg sehr geschätzt habe.
Atemberaubende Artistik am Boden und in der Luft bekamen die Zuschauer abschließend zu sehen. Die Luft schien zu knistern, wenn sich die beiden Artisten vom „Theatro Artistico“ begegneten. Die Mischung aus fließender Hand-in-Hand-Akrobatik und vollendeter Balance entzieht sich scheinbar den Kräften der Gravitation. Wunderbare Bilder voller Ästhetik entstanden, als sich die Artistin von „Theatro Artistico“ hoch in die Lüfte erhob. Nur gehalten von der Kraft ihrer Hände zeigte sie an seidig fließenden Tüchern ein vertikaler Tanz in der Höhe.
Am kommenden Samstag müssen die Roten Raben noch einmal vor der Weihnachtspause ran: Bayer Leverkusen erwartet die Roten Raben im Viertelfinale des DVV-Pokales.


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